„basta“: Ein Vitalstoff für gute Laune

Schwerte. „Hände weg vom Steuer. Wir gehen jetzt offline für zwei Stunden“, eine charmant an die Handynutzer gewandte Begrüßung,  mit der „basta“, die fünfköpfige Kölner A-Capella Truppe, am Donnerstagabend in der Rohrmeisterei ihr Musikcomedy-Programm „Freizeichen“ startete– und das auf Amüsement eingestellte Publikum stieg sogleich rhythmisch klatschend ein.


Tolle Performance, tolle Stimmen, witzige Texte.

William Wahl, Arndt Schmöle, Werner Adelmann, René Hoffmann und Hannes Hermann, fünf musikalisch und humoristisch gleich gesinnte Männer auf der Bühne, begeisterten das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute. Ihre fast ausschließlich vorgetragenen Eigenkompositionen waren einwandfrei arrangiert, dazu eine große Portion einfallsreicher Choreographie, eine tolle Moderation, Wortwitz, Gestik und Mimik – eine Melange, mit denen sie den Zuschauern ein perfektes 5-Gänge-Menü servierten.

Die Musiker singen sich unterhaltsam, originell und mit witzigen Texten durch das alltägliche Leben. Badebehoste Bierbäuche die betrunken Schlager johlen, die Horde Urkainer die grölend Sangria aus Eimer saufen, niedriges Bildungsniveau, Kakerlaken und mehr, das sind die Urlaubsfreuden auf einer kanarischen Insel, die in dem Song „Sodom und Gomera“ aufgezählt werden und das Fazit: „Es geht immer noch war ordinärer.“ Und wie kann man Aufmerksamkeit erlangen? René Overmann weiß es: durch Nahrungsmittelverträglichkeit. Doch er schwimmt gegen den Strom. Er will nicht Soja sondern Kuh. „Ich bin laktosetolerant und vertrag‘ auch Gluten.“

Arndt Schmöle zog die Aufmerksamkeit auf sich.

Hingegen beklagt Arndt Schmöle, dass es ihm an Aufmerksamkeit mangelt. Er darf nie ein Melodie singen, denn er ist die Bassstimme, doch die Aufmerksamkeit des Publikum fliegt ihm bei seinem humorvollen Solo-Auftritt „Ich Bass“ humorvoll zu.

Statt Bravo Brigitte Women

Das Älterwerden, die Liebe, One-Night-Stands, Schilderwahn auf Autobahnen, poesielose Gute-Laune-Musik, vom Tango bis zum Shanty, mal melancholisch, mal  überspitzt, immer lebhaft und bes(ch)wingt – ein Vitalstoff für gute Laune. „basta“ zog das Publikum mit ihren Songs und ihrer Performance in den Bann, fanden für jede Stimmung den richtigen Ton. Manch einer, respektive eine, kriegte das Grinsen während der gesamten Show nicht mehr aus dem Gesicht.

Lieferten sich amüsante Wortgefechte: Arndt Schmöle, Hannes Hermann und William Wahl (v.li.).

Sie sangen nicht nur, sie erzählten auch Geschichtchen und leisteten sich Wortgefechte auf der Bühne, sehr zur Freude der Gäste. Gegenseitige Frotzeleien über das Alter waren immer wieder Thema. Hannes Hermann, der „Neue“, und an Jahren etwas jünger als seine Kollegen, setzt sich mit den 1970er Jahren auseinander, wie er sagt. „Da habe ich bei „basta“ viele Zeitzeugen. Ich frage mich, was haben die damals gegessen, wie haben die gelebt?“ Und William Wahl bekennt, dass sie zu Beginn ihrer Musikerkarriere von einem Starschnitt in der Bravo geträumt hätten: „Heute sind wir froh, wenn wir einen CD-Tipp in der Brigitte Women bekommen.“

Das Konzert neigte sich gegen 21.30 Uhr dem Ende zu. Gab es bis dahin spritzige Eigenkompositionen zu hören, wurde eine Coverversion angekündigt: „Jetzt von den Dorfleuten, auch bekannt als Village People und ihr Song YMCA. Es ist ein dämlicher Text. Wir schauen mal, ob wir ihn nicht noch dämlicher hinbekommen.“ Daraus wurde dann, „ich glaub‘ ich hab ADHS“ – nicht dämlich, nur köstlich. Zwischen Kopieren und Powerpoint-Präsentationen verdienen die Fünf ihren Lohn mit „cut, copy & paste“, der Song, der den Abend beschließen sollte. Doch nicht mit dem fantastischen Publikum. Mit Händen, Füßen und lautstarken Zugaberufen wurden die Künstler zurückgeholt. „Wenn wir schon mal hier sind, können wir auch noch etwas singen. Dann starten wir mal unseren Zugabeblock, quasi ein Teil des Konzertes, den ihr nicht bezahlt habt“, gab Werner Adelmann, der durch seine tänzerischen Einlagen bestach, zum Besten. Dann performt „basta“ großartig und saukomisch den Smokie Hit „Alice“ und fragten: „Who the fuck is basta?“ Ein amüsanter, witziger, musikalisch niveauvoller Abend, der den geschätzten 400 Besuchern sichtlich und hörbar richtig Spaß gemacht hat.

 

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