Bürgermeister vor Ort: Noch einmal genau hinsehen, bevor Kastanien fallen

Schwerte. Bevor die Kastanien an der Hellpothstraße fallen, soll noch einmal ganz genau hingeschaut werden, ob die Bäume tatsächlich so krank sind, dass eine sofortige Fällung wie eigentlich für diesen Samstag geplant notwendig ist. Ein zweites Gutachten soll sicheren Aufschluss darüber geben, ob die Bäume tatsächlich mit einem Bakterium namens „Pseudomonas syringae“ befallen sind und ob eine eventuell nötig werdende Fällung angesichts des Vegetationsstandes und der Brutzeit nicht doch bis zum Herbst Zeit haben könnte.

Schlechter Informationfluss

Die Banderolen sind entfernt.

Das jedenfalls nahm Bürgermeister Heinrich Böckelühr am Samstag auf, als er sich Anwohnern und Bürgern direkt unter den Kastanien stellte und zunächst sein Bedauern ausdrückte, dass der Informationsfluss über das Vorhaben ein schlechter gewesen sei. Anwohner hatten eine Nacht- und Nebelaktion vermutet, nachdem am Mittwochnachmittag die Banderolen mit dem Fällhinweis an die Bäume gemacht worden sind und schon am Samstag gefällt werden sollte. Die Banderolen sind übrigens wieder entfernt worden und „bekleiden“ nur noch zwei Eschen, die selbst auf Laien einen nicht mehr gesunden Eindruck hinterlassen – ganz im Gegensatz zu den Kastanienbäumen.

BUND und AGON vor Ort

Heinrich Böckelühr versprach auch, noch einmal ganz genau hinsehen zu lassen und avisierte eine Informationsveranstaltung, in der vor Ort alle Fragen beantwortet werden. Das gefiel der Gruppe von Menschen, die sich am Samstagnachmittag um ihn geschart hatten und die hörten, dass die Kastanien keinesfalls irgendeinem Bauvorhaben zum Opfer fallen sollen. Zu dieser Gruppe gehörten auch Politikerinnen und Politiker aus den Fraktionen der CDU und der Grünen. Frank Weissenberg vom BUND war vor Ort, ebenso Dieter Ackermann von der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz (AGON).

Bürgerprotest hat Erfolg: Kranke Kastanien bleiben zunächst noch stehen

 

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Kommentare

Comments

  • Reinhard Streibel 28. Mai 2017 at 13:42

    Die GRÜNEN im Rat: Bäume am Hellpoth müssen erhalten bleiben

    Dem Einsatz des Bürgermeisters ist es offenkundig zu verdanken, dass eine für die Altstadt „verheerende“ Baumfällaktion in den letzten Tagen zumindest vorläufig verhindert werden konnte.
    Die GRÜNEN im Rat meinen, dass der Erhalt der Bäume auf jeden Fall Vorrang gegenüber evt. voreiligen Fällaktionen geprüft werden muss!
    Die Gefährdung des Verkehrs oder Baumkrankheiten werden gern schnell herangezogen, um Fällaktionen zu begründen.
    Wir fragen:
    Sind alle baumpflegerischen Maßnahmen vor dem beabsichtigten Fällen vollzogen worden?
    Sind alle baumgesundheitlichen Maßnahmen gegen die genannten Baumkrankheiten versucht worden?
    Bei den zu fällenden Bäumen handelt es sich u. E. um für das Stadtklima wichtige und stadtbildprägende Bäume:
    Sie spenden Schatten, erhöhen die Luftfeuchtigkeit, senken die Umgebungstemperatur, filtern Staub und Kohlendioxid, dienen zahlreichen Lebewesen als Lebensraum – und sehen einfach gut aus!
    Es dauert wieder rund 150 Jahre oder 2 Generationen bis diese Bäume dem Hellpoth und der Stadt wieder in der jetzigen Größe zur Verfügung ständen.
    Insofern muss – auch bei höherem Aufwand – alles dafür getan werden, nicht nur die Bäume am Hellpoth sondern generell möglichst alle Bäume in Schwerte zu erhalten.
    Vielleicht braucht es dafür auch einen anderen Sachverstand bei den jetzigen für die Baumpflege Verantwortlichen der Verwaltung!
    Wir möchten nochmals daran erinnern, dass vor einigen Monaten der Landesbetrieb Forst zusammen mit dem städtischen Förster eine sehr umfangreiche Fällaktion im Schwerter Wald beabsichtigt war.
    Auch damals hat der Bürgermeister zusammen mit Herrn Mork eingegriffen und das Vorhaben gestoppt. Es handelt sich hierbei natürlich um einen anderen Fall, uns scheint es aber symptomatisch, wie schnell offenbar in Schwerte die Kettensäge immer wieder zum Einsatz kommen soll.
    Das muss sich zugunsten des Erhalts von Bäumen ändern!
    Natürlich ist die Verkehrssicherungspflicht zu beachten und demzufolge müssen Bäume, die „unheilbar krank“ sind, gefällt werden. Aber bei den Gesprächen am Samstag vor Ort war von Experten zu hören, dass es keine objektiv und eindeutig definierten Kriterien dafür gibt, einen Baum als krank und zu Fällen einzustufen. Stattdessen gäbe es Ermessensspielräume! Und so begrüßen wir ausdrücklich das Zugeständnis des Bürgermeisters, ein neues Gutachten von anderer Stelle einzuholen!

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