Carl Carlton – „Songs und Stories“ vom Feinsten

Schwerte. Nebelschwaden hängen in der Halle 3 der Rohrmeisterei, die dunkle Bühne, vor der erwartungsvoll die Gäste stehen, wird in blau-lila getaucht und tosender Applaus bricht los, als Carl Carlton, „Wyzard“ Jerry Seay, Pascal Kravetz und Dion Murdock die Bühne betreten.


Die vier Weltmusiker starteten im März am selben Ort ihre Deutschlandtournee: es ging  „From Tobacco Road to Graceland“. Am Mittwoch, dann Teil 2 der „Songs und Stories“ – und es war genial. Dieser besondere Mix aus Musik und Geschichten erzählen – Carl Carlton hat es drauf, nahm sein Publikum mit herausragender Musik und interessanten, mit Humor gespickten Stories gefangen.

„Viele große Musiker haben uns verlassen“, sagt Carl Carlton und meint Tom Petty und auch Gregg Allman, von dem er ein Leben lang ein Mega Fan gewesen sei. Und die Band spielt einen Tom-Petty-Song und „Just another rider“ von Gregg Allman.

Wie unter Freunden

„Willkommen in meinem Wohnzimmer, geht es euch gut“ begrüßt Carl Carlton die Leute vor der Bühne. „In meinen Konzerten geht es etwas lockerer zu, nicht so durchdigitalisiert. Das kann Helene Fischer machen“, und fragt: „Habt ihr etwas Zeit mitgebracht?“ Es sei schön mit den Gästen zu plaudern, wie unter Freunden. Und dieses Gefühl vermittelte der sympathische Gitarrist, Sänger und Erzähler auch.

Carl Carlton und seine Band wandern durch die Musikgeschichte – zu den Wurzeln des Rock. „Ohne Musik aus Afrika würde es kein AC/DC, keine Madonna und auch keinen Roy Black geben“, sagt er. Das Ursprüngliche beinhalten seine Lieder:  wie afrikanischer Groove, Bossa Nova oder Calypso und das damit verbundene Lebensgefühl. „All das hat den Rock’n’Roll geprägt.“ Auch erzählt er, dass unter den Songs von den Beatles als Songwriter so bekannte Namen wie Chuck Berry oder Huddie William Ledbetter standen. Ledbetter, 1889 geboren, hat viele Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht („Aus dem Grund gibt es wahrscheinlich auch so viele Songs von ihm“) – und die Band spielt „Midnight Special“.

„Rassismus ist Scheiße“

Tief verbunden fühlt sich Carl Carlton auch mit Leadbelly, von dem „Goodnight Irene“ stammt, zu dessen Melodie es viele Texte gibt. In einem gibt es die Zeile, in dem er sich mit Marihuana das Leben nehmen will: „Nur deswegen steht Wyzard mit auf der Bühne“, flachst Carl Carlton. Bob Marleys „Call redemption song“, „Baby, What You Want Me To Do“ von Jimmy Reed, Funk von The Meters  und „Blue suede shoes“ des legendären Elvis stehen neben eigenen Stücken auf dem Programm.

„Rassismus ist Scheiße“ ruft Carl Carlton ins Publikum – und die Menge stimmt ihm mit lautem Applaus zu. Es ist das Statement für den Song „Strange Fruit“ von Billie Holliday, ein Lied gegen Lynchmorde in den Südstaaten und ein Aufruf, für die Freiheit zu kämpfen, den er solo bringt. „Als sie das Lied damals gespielt hat, bekam sie keinen Applaus. Ich glaube, die Leute waren wahnsinnig geschockt ob dieses Wahnsinnstextes.“

Gastmusiker Theo Spanke

Unvergleichlich gut: Theo Spanke.

Gast von Carl Carlton war Theo Spanke, der frenetisch vom Publikum begrüßt und verabschiedet wurde. Zuerst „Louisiana“ alleine mit seiner charismatischen, unverwechselbaren Stimme und Tastenbegleitung, dann „Heart of Soul“ und „I don’t need no doctor“ gemeinsam mit der Band. Einfach nur Klasse.

Klasse, wie der ganze Abend, der mit drei Zugaben, beginnend mit „Across the universe“ nach 23 Uhr endete. Die Musiker in fantastischer, ganz besonderer Spiellaune, über jeden Zweifel erhaben. Für einen Super-Sound sorgte Lukas Flock von Mainmix und für das Licht war Jörg Rost zuständig. Allein an Zuschauern hätten die exzellenten Musiker mehr verdient.

 

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