Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Schwerte. Der Kunstverein in Schwerte hat eine große Geschichte in und für Schwerte geschrieben. Der Blickwinkel schaut zurück. Es sind insgesamt fünf Künstlerinnen und Künstler, von deren der Kunstverein in den fast 30 Jahren seines Bestehens mehrfach Arbeiten gezeigt hat. Neben Rosemarie Trockel sind das Ingrid Langanke und Andrea Behn sowie Willi Otremba und Ivan Popovic. Die beiden Künstlerinnen wollen wir heute noch einmal in Erinnerung bringen, weil sie  – jede auf ihre Weise – für Schwerte und den Kunstverein eine besondere Rolle gespielt haben. Die ersten Ausstellungen dieser beiden Künstlerinnen fallen noch in die Anfangsjahre des Kunstvereins.

Ingrid Langanke und „Das Ding“

Das Ding an der Bethunestraße.

Das Ding an der Bethunestraße.

Ein Mitglied hatte eine Ausstellung von Ingrid Langanke in einer Essener Galerie gesehen: Konkrete Kunst – das fiel beim künstlerischen Leiter sofort auf fruchtbaren Boden. Kurzerhand wurde Kontakt aufgenommen, und Ingrid Langanke kam nach einem Ausstellungsaufbau im Hagener Osthaus-Museum im Kunstverein Schwerte vorbei, der damals noch in den kleinen Räumen in der Kampstraße sein Domizil hatte. Ein erster Atelierbesuch in Mönchengladbach wurde vereinbart und das war: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

In vier Ausstellungen hat Ingrid Langanke in den vergangenen 29 Jahren Werke gezeigt – und jedes Mal war eine Besonderheit dabei für die Schwerter Kunstfreunde. Angefangen hat es mit der Arbeit „Für Schwerter Frauen“, die heute im Foyer der VHS zu sehen ist; zu jeder weiteren Ausstellung gab es eine spezielle Edition und zum 20. Geburtstag durfte der Kunstverein sämtliche Exponate dieser Retrospektive in die eigene Kunstsammlung aufnehmen.

Eine besondere Bewandtnis hat es mit der Skulptur „Das Ding“ an der Bethunestraße. Skulpturen von 30 Bildhauern hatte Ulf Weingarten seinerzeit den Mitgliedern der Kulturstiftung der Sparkasse vorgestellt, als dort der Beschluss gefasst war, in Schwerte die Kunst auch in den öffentlichen Raum zu bringen. Erst kurz vor der Sitzung hatte er Ingrid Langanke um ihre Einwilligung gebeten, auch eine Arbeit von ihr mit in diese Skulpturen-Präsentation aufnehmen zu dürfen. Und die Kulturstiftung entschied sich zur großen Freude des Kunstvereins für Ingrid Langanke und Claus Bury, dessen Skulptur allerdings schon lange „aus Sicherheitsgründen“ abgebaut worden ist.

Mit dem für Schwerte entwickelten Entwurf von Ingrid Langanke wurde rein sprachlich der Umgang schwierig, weil die Arbeit keinen Titel hatte. In der Verlegenheit sprach man in der Kulturstiftung von dem „Ding“ – und in ihrer spontanen Art ging die Künstlerin prompt darauf ein: „das ding“ war damit als Titel für die Skulptur festgelegt.

Derzeit allerdings befindet sich die Skulptur auch in einem eher beklagenswerten Zustand; nicht nur die seit Jahren darauf gesprayten Graffiti verunstalten sie, auch die leichtfertige Anpflanzung von einem Baum unmittelbar neben der Skulptur macht das ursprünglich darin wirkende Spiel des Sonnenlichts heute unmöglich.

Andrea Behn – eine besondere Freundin

Andrea Behn.

Andrea Behn.

Zu den besonderen Freunden des Kunstvereins zählte auch Andrea Behn, die zweimal mit eigenen Ausstellungen im Kunstverein zu sehen war. Ihre aus vielen Farbschichten aufgebauten Arbeiten mit den rätselhaften Zeichen wie aus einer nicht entzifferbaren Schrift waren in Schwerte schon bald ein Qualitäts- und Markenzeichen. So zeigte die Künstlerin auch 2013 in der Katholische Akademie u.a. eine raumhohe, 9teilige Wandmalerei und war auch in der Galerie „Kunstschiene“ mit einer Einzelausstellung zu sehen.

Sie hat aber auch – das ist vielen heute weniger bekannt – als Sängerin den Nerv des Kunstvereins direkt getroffen. Man hat die Räume im Wuckenhof selten so gefüllt gesehen wie bei ihrem Monteverdi-Abend. Vor allem aber war es die Aufführung von Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“ in der eigenwilligen Inszenierung von Enke Eisenberg. Darin sang Andrea Behn die Hauptrolle. Selbst wer sie schon als Performance-Künstlerin kannte, war überrascht von dieser Ausdrucksstärke und Präsenz, die letztendlich ihre Bilder noch verständlicher macht.

Aufführungsort war die derzeit noch als Busgarage genutzte Rohrmeisterei – ehe auch nur daran gedacht war, diese zu einem kulturellen Zentrum von Schwerte zu entwickeln, hatte der Kunstverein die Kraft der alten Gemäuer für die bildende Kunst wie auch für die Musik entdeckt.

Die Musik und ihr Stellenwert

Lesley Olson aus den USA.

Lesley Olson aus den USA.

Die Musik allerdings hatte von Anfang an einen besonderen Stellenwert im Schwerter Kunstverein; wurden doch die Räume im Wuckenhof sogar mit der Ausstellung “Von der Musik“ mit den Malereien von Rune Mields eröffnet.

Aber schon zuvor hatte in der Fotoausstellung „Menschen in Tschernobyl“ die amerikanische Komponistin Nancy van de Vate nach Schwerte geführt, wo sie den Kunst- und Musikfreunden ihre „Tschernobyl“-Komposition erläuterte, und mit der Präsentation von „Tretease“ nach der grafischen Partitur von Cornelius Cardew legte das Orchester der Genter Universität den Grundstein dazu, dass der Kunstverein ein Geheimtipp wurde für Liebhaber von Gegenwartsmusik. Das zeigte sich bis zuletzt, angefangen von der dreifachen Schallplatten-Edition von Hauschka (Volker Bertelmann) über die Cage-Performance der amerikanischen Flötistin Lesley Olson bis hin zur Uraufführung von „sans mots“ der belgischen Komponistin Jacqueline Fontyn.

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