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„Der nackte Wahnsinn“: Naturbühne begeistert Publikum

Von Sina Weber

Syburg. Herrlich witzige Charaktere, temporeiches Spiel, eine schöne Kulisse und ein Stück, in dem Schauspieler Schauspieler spielen, die Rollen spielen: All das bietet die Naturbühne Hohensyburg ihren Zuschauern diesen Sommer mit ihrer Komödie „Der nackte Wahnsinn“. Die Premiere am vergangenen Freitag, 7. Juli, begeisterte das Publikum so sehr, dass es sich mit viel Lachen, Applaus und Standing Ovations bedankte.

Die Handlung in Kürze

Regisseur Lloyd (Florian Klein) versucht seinen Darstellern (Phil Mischke und Jan Meyer) noch letze Anweisungen zu geben.

„Stell dir einfach vor, du wärst Schauspieler“, sagt Regisseur Lloyd Dallas genervt zu einem seiner Darsteller, als dieser zum gefühlt hundertsten Mal die laufende Generalprobe seines Stückes unterbricht um eine Frage zu stellen. Die Probe scheint ohnehin nicht rund zu laufen: Es ist schon nach Mitternacht, die Premiere steht am nächsten Tag an, die Darsteller vergessen Text, Gänge, Requisiten und zu allem Überfluss gibt es auch noch das ein oder andere Geplänkel zwischen den Darstellern, so dass keiner so richtig bei der Sache scheint. Trotz allem nähert sich die Premiere unnachgiebig und der Zuschauer darf erleben, wie das soeben noch geprobte Stück einen Monat später im Laufe der Tournee auf die Bühne gebracht wird. Nun allerdings von dem besonderen Standpunkt aus, den Darstellern Backstage über die Schulter gucken zu dürfen. Aus dieser Sicht erlebt man stumme Eifersuchtsdramen und andere Verwicklungen, während man das Stück hört, das hinter den vielen Türen des Bühnenbildes mehr oder weniger korrekt aufgeführt wird. Die neuen Entwicklungen nehmen ihren Lauf und zum letzten Mal sehen wir das Ensemble ihre Aufführung zum Ende der Tournee auf die Bühne bringen. Vom Stück selbst ist nicht mehr viel über. Die Differenzen zwischen den Darstellern werden auch auf der Bühne ausgetragen, es geht alles schief, was nur schief gehen kann und trotzdem muss man ja als Schauspieler irgendwie durch das Stück durch. Der nackte Wahnsinn eben.

Große schauspielerische Leistung

Das Ensemble auf der Suche nach der Kontaktlinse.

Bei solch einem Stück wird den Darstellern der Naturbühne Hohensyburg einiges abverlangt: Eine Rolle einstudieren, die eine Rolle einstudiert, die ihre Rolle manchmal korrekt, aber zwei mal auch völlig falsch spielt, da fällt es einem als Zuschauer schon manchmal schwer hinterherzukommen. Wenn da nicht die hervorragenden Schauspieler der Naturbühne wären, die so pointiert und überzeugend spielen, dass es für den Zuschauer einfach nur herrlich ist, man ganz in diese abgedrehte Theaterwelt eintauchen kann und aus dem Lachen nicht mehr rauskommt.

Regisseurin Kirstin Cramer beweist mit ihrer Inszenierung das Geschick, ein äußerst kompliziertes Stück so auf die Bühne zu bringen, dass es wirkt, als hätten die Darsteller noch nie etwas anderes im Leben getan, als diese absurden Charaktere und ihre Ambivalenz zwischen Rolle und Schauspieler darzustellen. Die neun Darsteller des Stückes spielen allesamt überzeugend und unterhaltsam und führen einem vor Augen, was für Charaktere an einer solchen Theaterproduktion beteiligt sein können.

Die Darsteller

Regisseur Lloyd (Florian Klein) verzweifelt beim Betrachten der Probe.Florian Klein spielt den zur Cholerik neigenden Regisseur Lloyd Dallas, der eigentlich nur will, dass das Stück läuft, es aber durch seine unsäglichen Affären selbst immer wieder schafft die Schauspieltruppe zu entzweien: Schön bissig, aber auch mit schmeichelnder Sanftheit in der Stimme, wie man sie sich bei solch einem Charakter vorstellt. Selbstverständlich fehlt der rote Regisseur-Schal nicht, den er sich lässig um den Hals wirft. Besonders stark spielt auch Jan Meyer in seiner Rolle des Freddys, der unbedarfte Schauspieler, der manchmal einfach nicht mitbekommt, was um ihn herum passiert. Noch weniger folgen zu können scheint Brooke (mit vollem Körpereinsatz und brillanter Mimik gespielt von Melina Hylla), die auch mal nicht bemerkt, wenn andere Darsteller völlig aus dem Konzept sind und ihre Rolle konsequent bis zum Ende durspielt. In so einer Gruppe dürfen natürlich auch nicht die alternde Diva (Kasey Klute), ihr jugendlicher Liebhaber, der keinen Satz zu Ende bringt (Phil Mischke), die Gute Seele des Ensembles (Nadine Jording) und der ältere Herr mit Schwäche zum Alkohol (Bernard Urban) nicht fehlen. Das völlig überforderte Assistenzteam in Form von Regieassistentin Poppy (Kristina Risse) und Inspizient Tim (Jan-Lukas Schütte) rundet die Sache ab und sorgt ebenfalls für viele Verwicklungen und Lachsalven.

Alles in allem ein Stück, dass sehr gut geeignet ist für laue Sommernächte, wenn man mal wieder herzhaft lachen möchte. Absolut empfehlenswert ist der Besuch bei „Der nackte Wahnsinn“ an der Naturbühne. Vielleicht sogar ein zweites Mal, denn im zweiten Akt passiert so viel gleichzeitig, dass es sich lohnen würde, ein weiteres Mal hinzugehen, denn da nimmt der Wahnsinn so richtig seinen Lauf.

  • Termine: 15./15./21./22./28./29. Juli, 04./05. August, jeweils 20 Uhr
  • Karten: Unter www.naturbuehne.de
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