Die Schule beginnt: Alles für einen guten Start – Und zehn Butterbrotdosen für die schnellsten I-Dötzchen

Schwerte. Aktuell stehen in ganz Nordrhein Westfalen die Einschulungen vor der Tür. Erstklässlern sollte der Start in den Schulalltag nicht mit der Verabreichung von Vitaminpräparaten oder mit der Zugabe von Superfrüchten versüßt werden. „Diese gehören nicht nicht in die Schultüte und sind auch als regelmäßige Beigabe zum Frühstück völlig ungeeignet“, sagt Angelika Weischer, Leiterin der Verbraucherzentrale in Schwerte. Sie hält für die ersten zehn I-Dötzchen, die ab jetzt in die Verbraucherzentrale am Westwall 4 kommen, Butterbrotdosen und Schuljahreswandkalender bereit

Die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln haben nun auch die ABC-Schützen als lukrative Zielgruppe für sich entdeckt. Hier werden schluckleichte Kapseln, Trinkpulver, Tütchen, Multivitamin-Brausetabletten, Lutschtabletten in Bärchen- oder Autoform angeboten. In Gesundheitsmagazinen, Elternratgebern oder im Internet werben sie damit, dass die Mittelchen die Konzentration, Lern- und Leistungsvermögen erhalten und für ein gesundes Kind „Immunsystem“ stehen. Die Werbung spielt mit der Sorge, wie Kinder all die neuen Herausforderungen, wie lange Schultage, Klassenarbeiten und den Leistungsdruck meistern sollen.Angelika Weischer: „Bei abwechslungsreicher Ernährung sowie genügend Zeit für Spiel, Sport, Spaß und Schlaf brauchen Kinder jedoch keine pharmazeutischen Extras, um gesund und fit zu sein“.

Hier empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW Eltern:

Überzogene Werbeaussagen

Mit Warnungen vor Mangelversorgung von Kindern und Hinweisen auf zunehmende Belastung in Schule in Freizeit schielen die Hersteller auf das schlechte Gewissen der Eltern. Es ist jedoch erwiesen, daß Kinder, die sich in Deutschland halbwegs normal ernähren, nicht unter Mangelerscheinungen leiden und daher keine zusätzliche Versorgung in Form von Pillen und Tütchen benötigen.

Richtig essen

Abwechslungsreiche Ernährung mit Getreide- u. Milchprodukten, Gemüse und Obst liefern alle erforderlichen Nährstoffe für Wachstum, Entwicklung und Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Durch das Achten auf Volkorn- und fettarme Produkte, zwei Mal die Woche Fleisch und einmal Fisch auf dem Tisch, erhält man einen abgerundeten Speiseplan. Süßigkeiten und Snacks in Maßen sind hier durchaus zwischendurch erlaubt.

Ausreichend trinken

Schulkinder die zu wenig trinken, sind häufig müde und weniger aufmerksam. Daher sollten sie zwischen ein- und eineinhalb Liter über den Tag verteilt trinken. Hierzu eignen sich besonders Leitungs- und Mineralwasser, Früchtetees oder Saftschorle als ideale Durstlöscher.

Des Guten zu viel

Nahrungsergänzungsmittel, die wie bunte und leckere Bonbons oder süße, fruchtige Säfte angeboten werden, können Kinder verleiten, mehr davon zu konsumieren und dabei die empfohlene Dosis zu überschreiten. Auch durch den Verzehr von bereits mit Vitaminen angereicherten Lebensmitteln – z. B. Frühstückscerealien, Saft und Süßigkeiten – nehmen Kinder vielfach deutlich mehr von einzelnen Vitaminen zu sich als nötig. Als Faustregel gilt daher: Die zusätzliche Einnahme ist überflüssig und eine Überdosierung kann in einzelnen Fällen sogar schädlich sein.

Falsches Signal

Wenn bereits Schulanfänger zu zusätzlichen Mitteln greifen, statt ein ausgewogenes Ernährungsverhalten einzuüben, besteht die Gefahr, dass sich schon früh an die Einnahme von Problemlösern in Pillenform zu gewöhnen. Die Hemmschwelle für die dauerhaften Gebrauch von Hilfsmisteln sinkt und das Risiko einer möglichen Sucht steigt.

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