Ein Mindestgewicht für Models? – Gesamtschüler diskutieren bei „Jugend debattiert“

Diese Sechs vertreten die Gesamtschule beim bundesweiten Schülerwettbewerb „Jugend debattiert“ auf Regionalebene: Loris Giammarino, Annemarie Tacke, Laura Weichmann, Luzie Schütte, Jan Koch und Josephin Ludwig (v.l.). Text und Foto: Nadine Przystow


Schwerte. Stellung beziehen und die eigene Meinung mit guten Argumenten verteidigen, das ist für das soziale Miteinander, für die Demokratie, von großer Bedeutung. Und dabei gilt wie so oft: Früh übt sich. Beim bundesweiten Schülerwettbewerb „Jugend debattiert“ können sich Jugendliche in unterschiedlichen Diskussionsrunden mit Gleichaltrigen messen. Die Gesamtschule Schwerte nimmt regelmäßig an dem Projekt teil, für das Bundespräsident Joachim Gauck die Schirmherrschaft innehat. Auch in diesem Jahr tritt wieder eine Gesamtschul-Delegation an.

Annemarie Tacke, Jan Koch, Luzie Schütte, Josephin Ludwig, Laura Weichmann und Loris Giammarino haben sich beim schulinternen Wettbewerb Ende Januar für die Teilnahme qualifiziert. Aufgeteilt in ihre jeweilige Altersklasse, der Sekundarstufe I und II, diskutierten sie vor einer Jury aus Lehrern und Schülern beispielsweise über ein Handyverbot an Schulen. Jetzt geht es für die Sechs am 24. Februar erst einmal zum regionalen Vorentscheid ins Dietrich-Keunig-Haus in Dortmund, wo sie auf andere Jugendliche aus dem Regierungsbezirk Arnsberg treffen werden.
Dort müssen sie dann mindestens zweimal debattieren. Wer es ins Finale schafft, wird noch ein weiteres Mal hinter dem Podium stehen. Für die Vorrunden wird jedem Teilnehmer ein Partner zugelost, mit dem nach kurzer Beratungszeit der gemeinsame Standpunkt formuliert werden muss. Bei der anschließenden Debatte erhält jeder zunächst zwei Minuten ungestörte Redezeit, dann folgen zwölf Minuten freie Aussprache und für das Schlusswort steht den Debattanten jeweils nochmal eine Minute zur Verfügung.

Auf alles vorbereitet sein

Die zu diskutierenden Themen sind den Gesamtschülern bereits bekannt. „Sie sind nicht gerade sehr anspruchsvoll“, lautet Josephins enttäuschtes Urteil. Die 18-Jährige nimmt schon das dritte Mal am Wettbewerb teil. Auch Laura ist mit der Auswahl nicht wirklich zufrieden, „weil sich daraus nicht unbedingt viele Streitfragen ergeben“. Ihre zu verteidigende Position, also ob sie pro oder contra JD_Logo_CMYK Kopiesind, erfahren sie erst kurz vor der Debatte. „Das heißt, man muss sich auf alles vorbereiten“, erklärt der 17-jährige Jan, der die Sekundarstufe I vertreten wird. Schwierig sei es vor allem dann, wenn das gezogene Los nicht der eigenen Meinung entspreche, fügt Annemarie (16) hinzu. Sie wird ebenfalls für die Sekundarstufe I antreten Eine andere Herausforderung kann aber auch die eigene Nervosität sein, schließlich debattieren die Jugendlichen vor Publikum. Lehrer Alexander Westhoff betreut das Projekt an der Schule und macht seinen Schützlingen Mut: „Ihr müsst nicht nervös sein, weil ihr etwas könnt.“

Nicht zu aggressiv sein

Außerdem seien sie alle gut vorbereitet. In einem anderthalbtägigen Coaching, das im Rahmen der schulinternen Qualifikation stattfand, wurden die Schulsieger in den vier Wertungskriterien des Wettbewerbs unterwiesen: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft stehen auf dem Prüfstand. Aber die jungen Debattanten haben noch ganz andere Aspekte für sich entdeckt: Laura (17) möchte zum Beispiel auf ihre Körpersprache achten und ihrem Gegenüber in die Augen schauen. Luzie hingeben strebt beim Argumentieren eine Mischung aus Zurückhaltung und Beharrlichkeit an: „Man sollte nicht zu aggressiv sein.“ Die Zwölfklässlerin spricht aus Erfahrung: Vor zwei Jahren hat sie es schon einmal bis ins Landesfinale nach Düsseldorf geschafft.

Dort ginge es auch dieses Mal wieder hin. Vorausgesetzt, eine oder einer der Gesamtschüler/innen gewinnt die anstehende Regionalrunde und qualifiziert sich nach einem dreitägigen professionellen Rhetorik-Training für den Landeswettbewerb am 29. April in Oberhausen. Ganz am Ende gäbe es noch das Finale auf Bundesebene. „Aber daran denken wir noch gar nicht“, sagt Josephin.

Mit folgenden Fragestellungen müssen sich die Vertreter der Sekundarstufe I beschäftigen:

  • Soll es ein Mindestgewicht für Models geben?
  • Soll die verbindliche Grundschulempfehlung in NRW wieder eingeführt werden?
  • Sollen Eltern verpflichtet werden, die Computernutzung ihrer Kinder zeitlich zu beschränken?

Die Vertreter de Sekundarstufe II müssen sich zu diesen Fragestellungen Gedanken machen:

  • Sollen bei Kommunal- und Landtagswahlen auch Stimmabgaben in Supermärkten und anderen Geschäften möglich sein?
  • Sollen die Gemeinden die nächtliche Beleuchtung von öffentlichen Plätzen und Gebäuden beschränken?
  • Sollen regionale Dialekte an Schulen unterrichtet werden?
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