Ein neues Hotel am Canale Mühlenstrang

Schwerte. „Canale Grande, nur kleiner.“ Voller Vorfreude schaut Stadtplaner Adrian Mork auf die Pläne eines Investors, der parallel zum ehemaligen Feuerwehrmuseum in den historischen Haver-Hallen einen mehrgeschossigen, schlicht-schönen und schlanken Baukörper errichten will für einen Hotel-Neubau mit 50 bis 70 Zimmern. Direkt im Anschluss an den neuen Riegel soll ein Parkhaus mit bis zu 200 Einstellplätzen entstehen.

Der Industriecharme des alten Backsteingemäuers, inzwischen komplett frei geräumt von den Feuerwehrfreunden, soll aufpoliert, die Fenster sollen in ihre historischen Nischen zurück versetzt werden. Hier sollen Funktionsflächen für das neue Hotel wie Konferenz- und Tagungsräume ihren Platz finden. Eine neue Identität im alten Gewand. „Ein vernünftiger städtebaulicher Entwurf“, wie der Chefplaner im Rathaus die Pläne skizziert. Mit ihnen könnte dieser historische Raum der Ruhrstadt neu aufgeladen und wieder städtischem Leben zugeführt werden.


Ein kreativer Pluspunkt

Hier könnte ein neues Hotel entstehen. Der Fußweg würde bleiben.

Es war auf der Expo Real im Oktober, der Fachmesse für Immobilien in München, als Adrian Mork (50) auf einen Investor aufmerksam wurde, der Interesse bekundete, in Schwerte einen Hotel-Neubau zu errichten. Der Mann hat sich nun zurück gemeldet und auch schon erste, bemerkenswerte Pläne vorgelegt. Danach soll das alte Hallengebäude, heute im Besitz der Stadt Schwerte, erhalten werden. Nur die Dachstruktur mit ihren Satteldächern und Teerpappen soll abgerissen, an ihrer Stelle sollen Lofts errichtet werden. Da auch die Kfz-Werkstatt im vorderen Bereich im neuen Jahr aufhört und auszieht, sind dort Büroflächen vorgesehen. Alles in allem könnte im „Reiche des Wassers“ ein kreativer Pluspunkt entstehen, der dem heute schon recht lebhaften Tourismus einen deutlichen Aufschwung beschert.

Eine Glasbrücke als Scharnier

Das ehemalige Feuerwehrmuseum spielte eine wichtige Rolle.

In diesem Bereich soll ein Parkhaus entstehen.

Im ersten Obergeschoss des modernen Hotelkomplexes, erläutert Mork die Pläne auf Anfrage der Redaktion weiter, soll eine Glasbrücke als Scharnier ausgebildet werden, die Besucher wie Gäste zu den Tagungsräumen in den alten Hallen gleich gegenüber geleitet. Der unmittelbar an der Gebäudekante entlang murmelnde Mühlenstrang soll ungehindert weiter fließen; damit kein dunkler Schlauch entsteht, soll die Gasse zwischen den historischen Hallen und dem neuen Nachbarn mit Leuchtstelen bestückt werden. „Der Industriecharme des alten Backsteingemäuers soll einen reizvollen Kontrast zum Neubau bilden“, wie Mork das formuliert. Ein geschickter Zug der Architekten: Der neue Baukörper zeichnet exakt den Knick der Haverschen Hallen nach. Besonders wichtig: Der Vorplatz des neuen Ensembles, dort, wo heute die alten Kanonen stehen, lässt dem Entree ins neue Quartier genügend Platz zum Atmen. Vor dem neuen Hotelriegel sollen 40 Parkplätze erhalten bleiben, mit dem neuen Parkhaus und seinen bis zu 200 Stellplätzen ließe sich der Park-Suchverkehr in der Altstadt deutlich verringern, ist der Fachbereichsleiter für Planen und Bauen überzeugt. Zumal der Investor auch eine sogenannte Brötchentaste verspricht: Damit wäre die erste Park-Stunde kostenlos.

Das neue Hotel könnte nicht nur Radlern auf dem Ruhrtalradwanderweg eine einladende Herberge bieten, sondern wäre auch ein interessanter Standort für Touristen, die von hier aus Ausflüge in die überaus reiche Kultur- und Naturlandschaft der Region unternehmen wollen. Und gemeinsam mit dem Industriedenkmal Rohrmeisterei, dem Denkmal Wuckenhof und dem stadthistorischen Quartier rund um St. Viktor nur ein paar Schritte weiter könnte schon vor Ort die Neugier auf geschichtsträchtige Orte geweckt werden.

Der Blick von der anderen Seite: Die alten Hallen sollen Teil eines neuen Hotels werden.

Weinstube im Gewölbekeller

Der Wuckenhof soll der Kultur erhalten bleiben.

Apropos Tourismus. Schwertes Tourismusbeauftragter Uwe Fuhrmann soll Anfang des Jahres in den Wuckenhof umziehen und während der Umbauphase von Museum und Marktschänke von dort aus die Gäste beraten und informieren. Pläne, im Denkmal geschützten Wuckenhof ein kleines Hotel zu etablieren, möchte Adrian Mork damit keinesfalls vom Tisch wischen. „Eine Umnutzung ist möglich, aber ich hätte gerne einen Hotelexperten mit am Tisch der darüber nachdenkt, ob der Aufwand gerechtfertigt ist“, sagt der Planer, der angesichts mangelnden Parkraums rund um den Wuckenhof auch zu bedenken gibt, „was ist mit den Gästen, die mit dem Pkw anreisen und ihre Räder hintendrauf haben?“

Außer Frage sei der Wuckenhof „ein Aushängeschild der Stadt und muss eine wichtige Adresse für Kunst und Kultur bleiben“, betont Mork. Und blickt in die Zukunft. So könne er sich im Gewölbekeller durchaus eine Weinstube und in den Etagen darüber Ateliers für Künstler vorstellen, „lasst uns in Alternativen denken“, fordert er neue Diskussionen ein.

Alte Wege ertüchtigen

Inzwischen vom Tisch ist hingegen die geplante Wegeverbindung zur Rohrmeisterei. „Wir verzichten auf den Weg entlang der Wuckenhofmauer“, sagt Mork und stellt die Alternative vor. So soll der Streifen zwischen Musikschule und Bolzplatz Ruhrstraße Barriere frei umgestaltet und der Südwall baulich ertüchtigt werden, so dass die Besucher der Altstadt künftig einen neuen Pfad über das alte Ruhrverbandsgelände Richtung Rohrmeisterei und Ruhrauen einschlagen können. Das heute noch recht unwirtliche Gelände rings um die alte Theaterhalle soll aufgeräumt werden, die Gehölze sollen einen neuen Pflegestandard bekommen. „Der Städtebauförderantrag ist gestellt“, zeigt der Stadtplaner weiter auf, auch die Lärmschutzmaßnahmen an der Rohrmeisterei sollen in 2018 umgesetzt werden.

Beschlossen sind jetzt auch die neuen Öffnungszeiten für die Tiefgarage unter dem Marktplatz. In der Eigentümergemeinschaft hat man sich unlängst darauf verständigt, die Garage ab Anfang des neuen Jahres montags bis donnerstags von 7 bis 24 Uhr zu öffnen und freitags von 7 Uhr bis sonntags 14 Uhr durchgehend.

Ein Aufzug aus der Tiefgarage

Die Tiefgarage spielt eine Rolle in den städtebaulichen Überlegungen. Sie wird längere Öffnungszeiten erhalten.

Für den Aufzug, der die Menschen Barriere frei von der Tiefgarage auf den Markplatz bringen soll, sollen in 2018 die Planungen einschließlich der Kostenberechnungen angegangen werden. Offensichtlich kein einfaches Unterfangen, müssen doch für den neuen Fahrstuhl dicke Betondecken durchbrochen werden. „Dann macht es auch Sinn, ein vernünftiges Park-Leit-System anzubringen“, schaut Mork in die Zukunft.

Im Vorfeld der Umbaumaßnahmen von Ruhrtalmuseum und Marktschänke, die Ende 2018 aufgenommen werden sollen, hatte die Politik darüber nachgedacht, die Einbahnstraßenführung in der Brückstraße zu drehen. Das ist nun gutachterlich überprüft worden mit dem Ergebnis, „dass die Nachteile überwiegen“, wie Mork erklärt. Dem Planungsausschuss will er daher Vorschläge unterbreiten, wie der Straßenabschnitt zwischen dem „Goldenen Hirschen“ und Calvin-Haus Barriere frei umgebaut und Fußgängern ein besseres Queren ermöglicht werden kann.

Alles in allem öffnen die ehrgeizigen Pläne rund um einen modernen Hotelkomplex im „Reiche des Wassers“ auch wieder die Perspektive, die ganze Stadt in den Blick zu nehmen. Schwerte hat noch viel Potenzial!

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Kommentare

Comments

  • Heiko Kleiner 27. Dezember 2017 at 17:30

    Eigentlich ist es eine schöne Sache, aber wie sollen die 200 Fahrzeuge zu den Parkplätzen kommen? Wie sollen die Gäste des Hotels zum Hotel kommen? Wie soll die Altstadt noch mehr Fahrzeuge bewältigen? Hat der Stadtplaner sich die Verkehrssituation in der Altstadt mal angeschaut?

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  • Ruhrstädter 26. Dezember 2017 at 12:37

    Keine grundsätzliche Kritik an den Plänen für ein Hotel in zentraler Innenstadtlage; schließlich ist da, wo gebaut wird, kein Stillstand. Den Verantwortlichen in Rat und Verwaltung sei nur ans Herz gelegt, dass diesmal auch wirklich eine Entscheidung getroffen wird, die die Stadt nicht nur städtebaulich, sondern auch im Sinne ihrer Bürgerinnen und Bürger voranbringt. Auch Touristen wollen nämlich gut und gerne einkaufen – andernfalls ist ein Hotel kein Pluspunkt für die Stadt, weil keine Kaufkraft am Ort gebunden wird. Was ist aber in den vergangenen Jahren in puncto Einkaufen (und Wohnen)geschehen? Vor nicht allzu langer Zeit gab es über die gesamte Innenstadt verteilt, von Bahnhof bis Reiche des Wassers, Vollsortimenter und Discounter (2x Aldi, 1x Rewe, 1x Penny, 1x Fruchtbörse, 1x Plus/Netto, in früherer Zeit noch Co-op). Heute? Konzentriert am Bahnhof einen Vollsortimenter und einen Discounter, dazu in Randlage noch Penny. Die Folge? Die zentrale Innenstadt blutet aus; Lebensmittelmärkte sind Magneten – das weiß jeder Stadtplaner und jeder Wirtschaftsförderer. Leider hat die Stadt dem Neubau auf dem alten Rath-Gelände keinen Riegel vorgeschoben. Damit fahren seit einigen Jahren die Kunden dort mit dem Pkw vor, kaufen ein – und schenken der Fußgängerzone keine Aufmerksamkeit mehr. Ein großer Fehler! In Ergste hat dagegen – allerdings erst nach einer Bürgerbefragung! – die Vernunft gesiegt, die Pläne für den Vollsortimenter auf der grünen Wiesen verschwanden vom Tisch – und siehe da: Der ansässige Lebensmittelmarkt existiert auch an der bewährten Stelle weiter. Was das Wohnen angeht: Mit dem städtebaulich äußerst fragwürdigen Wohnungsneubau auf dem alten Rottkamp-Gelände (der sich nicht in die Umgebung einfügt, wie es die Bauordnung vorschreibt) ist weitere Einzelhandelsfläche verschwunden. Am Ostentor werden derzeit altengerechte Wohnungen gebaut (hier gab es auch Pläne für einen Bio-Supermarkt), und im Reiche des Wassers und vor Jahren an der Ruhr („Südstadt“) ist neue Wohnbebauung entstanden. Wo kaufen diese Menschen eigentlich ihre Lebensmittel ein, geschweige denn andere Waren, die in der Folge der Konzentration am Bahnhof nicht mehr in der Innenstadt angeboten werden? Nun schließen auch Hussel und Essmann demnächst – vielleicht hätten die Schwerter Wirtschaftsförderer und Stadtplaner einmal bei ihrem Kerngeschäft beginnen sollen und die gut austarierten Supermarktstandorte nicht durch ihre Empfehlungen mit aus dem Gleichgewicht bringen sollen. Die Einwohner Schwertes würden es ihnen heute danken!

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