Heimatliebe mit Pinselstrich: Martina Schulte feiert 20 Jahre „Kunst mal anders“

Schwerte. Mal kurz den Umgang mit einem Pappmaché-Dinosaurier erklären, den Knoten um einen neuen Woll-Pon-Pon ziehen, den Müttern ein paar Flyer mit auf den Weg geben, zeitgleich in der 50er Jahre Küche der Eltern einen Pfefferminztee ansetzen – der Arbeitsalltag von Martina Schulte in ihrer Kunstschule „Kunst Mal anders“ wäre ohne eine Prise Gleichmut, viel Geduld und Menschenliebe nicht zu schaffen. Die kleine Werkstatt in der Friedrichstraße gegenüber der alten Bäckerei Wigge öffnet am Samstag die Türen für die interessierten Besucherinnen und Besucher. Dann wird gefeiert: 20 Jahre „Kunst mal anders“ bietet raum für große und kleine Leute.


„Ich bin verliebt in Paul Klee“

Es war auf einer Schülerreise vor einer gefühlten Ewigkeit, als die junge RTG-Schülerin Martina Schulte Florenz erkundete: „Wir machten das, was man mal macht in Florenz und in einem Seitenflügel war die Ausstellung über Paul Klee zu finden – da hat es gefunkt.“ Seit der Zeit begeistert sie der Künstler. „Er ist Schütze wie ich,“ und am Ende ein guter, alter Bekannter und Wegbegleiter durch die Jahre. Inspirationsquelle, Initialzündung und treuer Gefährte. Die Magisterarbeit schrieb sie folglich über die Farbtheorien des Künstlers im Vergleich zur Theorie Goethes: „Natürlich gibt es auch noch andere – aber keiner ist wie er.“

Kreativität heißt die Welt sehen

Kisten, Schachteln und Regalbögen wölben sich unter den gesammelten Materialschätzen, und wenn die Tischdecken anfangen würden zu erzählen – es würde dauern „Jörg Rost gibt mir immer mal seine alten Planen und Banner – jetzt wird es mal wieder Zeit für eine neue Tischdeckenbespannung.“ Schichten aus Farbe und Glasur, Kleckse und Schattierungen sind überall zu sehen – an diesem Ort wird gearbeitet. „Ich denke man kann aus allem was machen,“ darum geht es ihr. Die Welt mit Kunst begreifen und bearbeiten. So wird gerade kurzerhand aus den alten Ausstellungshinterlassenschaften des Ruhrtalmuseums eine neue kreative Arbeit in der Gemeinschaft. Martina Schule stellt zur Verfügung, unterstützt, erklärt und ist als dienstbarer Geist an der Seite. „Noch bin ich schnell genug und kann reagieren,“ beschriebt sie die Anforderungen im Kreativalltag.

In Schwerte zu Hause

Seit sie 20 ist lebt Martina Schulte in Schwerte-Ost und liebt ihr Viertel. „Es ist gut dort und für die Werkstatt super, hier so zentral zu sein.“ Die Wege zu den Institutionen sind fußläufig zu erreichen, die Eltern können mit dem Auto vorfahren, der klitzekleine Hinterhof hält immer etwas Luft bereit und die Einrichtung ist über die Jahre einfach ins Haus verwachsen: „ Ich bleibe hier, das ist mir klar.“

Bonbons, Pinsel – enge Bindungen

Zum 20jährigen erzählt Martina auch von Anna. Die hat mit elf im ersten Jahr bei ihr begonnen und ist heute mit 31 noch immer dabei: „Am Anfang zeichnete sie einen so zarten Strich – die Kamera konnte das Bild nicht fassen.“ Heute hat Anna ihr Geologiestudium abgeschlossen und liebt noch immer die kreative Arbeit in der Werkstatt. Das Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten hat sich da schon deutlich erweitert und der Strich ist schon lange fester geworden. Die Kunst-Mal-Anders Bonboniere ist immer gut gefüllt: „Ich glaube am Samstag dürfen wir alle mal so viele Bonbons essen wie wir wollen.“ Und wer sich fragt, was aus einem nicht gelungenen weißen Wollbommel wird, der auseinanderfällt? Zur Not wird es einfach ein kreative Nudelsuppe.

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