Hochsommerliches Klassik-Konzert Open Air

Schwerte. Erstmalig lud das Ruhrstadt Orchesters zu einem Konzert unter freiem Himmel am Sonntag auf dem Plateau der Rohrmeisterei  ein. Es war ein hochsommerlicher Musikgenuss bei hochsommerlichen Temperaturen. Auf dem kontrastreichen Programm standen Werke der Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Felix Mendelssohn (1809-1847) und Bela Bartok (1881-1845). Durch das Programm führte Sabine Thielmann.

Sabine Thielmann führte durch das kontrastreiche Programm.

Emotional anrührend eröffnet das Ruhrstadt Orchester unter Leitung des Städtischen Kapellmeister Claus Eickhoff mit der Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis“ von Gluck. Uraufgeführt wurde diese Opernarbeit  1774 in der Pariser Oper unter Leitung des Komponisten. Iphigenie wurde nach Aulis geschickt, um geopfert zu werden, damit ihr Vater Agamemnon seine Schiffe nach Troja segeln kann. „Iphigenie wendet alles Unheil ab. Wir finden, das ist der richtige Auftakt für unser Konzert. Denn auch wir haben alles grollende Unheil abgewendet“, moderierte Thielmann, mit Blick zum Himmel, den Konzertbeginn an.

Das Orchester verlieh der Ouvertüre einen eindringlichen Ausdruck. Langsam und tragisch das Primärthema. Deutlich anders das zweite Thema: Das gesamte Orchester im Einklang in zeremonial-empfindsamen Tonfall.

Solist Wladimir Petritschenko brillierte

Gefeierter Star an diesem Spätnachmittag war Wladimir Petritschenko, der als Solist mit einer brillanten Interpretation des  Violinkonzerts e-Moll von Mendelssohn. „1845 wurde das Konzert im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt. Es gehört in jedes Repertoire eines jeden Geigers“, sagte die Moderatorin. Und: Wladimir Petrtschenko kann nicht nur Orchester, er kann auch Solo.“ Und das stellte er eindrucksvoll unter Beweis. Mit bewundernswerter Leichtigkeit tanzten seine Finger auf der Geige, der Bogen griff mit höchster Präzision nach den Saiten. Mit viel Ausdruck und Einfühlsamkeit paarte Petritschenko zu Herzen gehende Melodik mit atemberaubender Technik. Für seine Darbietung erntete der Solist riesigen Applaus. Petritschenko bedankte sich mit einem Satz aus der Sonata a-Moll von Johann Sebastian Bach, BWV 1003.

Bartok statt Mendelssohn

Nach der 20-minütigen Pause, die die Zuhörer nutzten, um Abkühlung im Schatten und mit kalten Getränken zu suchen, stand Bela Bartok auf dem Programm. „Wir haben angesichts des Open-Air-Charakters eine kleine Programmänderung vorgenommen. Uns schienen Rumänischen Tänze besser geeignet“, erklärte Thielmann. „Bela Bartok zog mit Hut, Wanderstock und Aufnahmegerät durch die Lande, um Volksmusik oder auch Bauernmusik, wie er selber sagte, aufzunehmen. Er wollte, dass diese Musik bewahrt bleibt und hat sie in seinen Kompositionen wenig verändert. Er verfasste eine Komposition dieser Rumänischen Tänze 1915 zuerst für Klavier. 1917, genau vor hundert Jahren, verfasse Bartok die Orchesterversion. Die Atmosphäre spiegelt Szenen einer Dorfschänke wieder. Es ist Lebensfreude im Schatten einer stets drohenden Gefahr“, führte die Moderatorin in die Rumänischen Tänze ein.

Das Ruhrstadt Orchester brachte die Vielfalt und Komplexität der Rhythmen zu Gehör. Behände und grazil spielten die Instrumentalisten die ländlichen, bunten, mit großem harmonischem Reichtum komponierten Tanz-Weisen. Das Publikum wurde in den Temperament-Modus mitgerissen.

Erstmalig lud das Ruhrstadt Orchester zu einem Konzert unter freiem Himmel ein.

Die nächsten Termine im Jubiläumsjahr:

23. September, Domkonzert, St. Viktorkirche, 19.30 Uhr

1. November, Rathauskonzert, Bürgersaal, 17.30 Uhr

10. Dezember, Weihnachtskonzert, Rohrmeisterei, 17 Uhr

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