John Loftus und der Ruhestand: „Ich plane spontan zu sein“

Schwerte. Niemals geht man so ganz. Und so wird auch John Loftus Spuren hinterlassen in seinem Ruhrtalmuseum. Denn das Konzept für die neue Dauerausstellung zum Thema Wasser hat er geschrieben, schon 2012,als der Umbau des Ruhrtalmuseums und der Marktschänke auf die Agenda kam. „Ich hoffe, dass sich auch wirklich etwas von diesem Konzept in der Ausstellung wiederfinden wird“, sagt JohnLoftus. Wenn sie in hoffentlich nur noch wenigen Jahren aufgebaut wird, wird der Leiter des Ruhrtalmuseums nicht dabei sein. John Loftus geht Ende des Monats in den Ruhestand und wird dann auch der Ruhrstadt den Rücken kehren. Das Museum geht über in die Bürgerstiftung St. Viktor.


Seine englisch-irische Herkunft kann John Loftus nicht verhehlen. Will er auch gar nicht. So klingt es eben, wenn man in Wolverhampton im mittleren Westen Englands geboren wurde. Perfektes Deutsch mit englischem Akzent – das ist ein Markenzeichen eines Mannes, der 1992 nach Schwerte gekommen ist und der Pflöcke gesetzt hat. Stichwort Verglasung der Museumshalle. Stichwort Magazin. Stichwort Ausstellung. Stichwort Förderverein.

Förderverein, Museumshalle und und und

Ja, die Gründung des heute noch ausgesprochen rührigen Fördervereins hat John Loftus angestoßen. Er brachte die Verglasung der Markthalle auf den Weg, überführte die Bestände aus dem Fundus des Museumsgründers Josef Spiegel aus einem Kriechkeller unter der Gesamtschule in ein adäquates Magazin in der Ostenstraße. „Den Höhlenbären gibt es heute noch“, sagt er – die Älteren werden sich an das furchterregende Skelett dieses Bären in der Spiegelausstellung erinnern.

Es blieb nicht im Museum. Als in Schwerte 1997 die 600-Jahr-Feier bevorstand, sollte eine neue Ausstellung im Museum dieses Thema in den Mittelpunkt rücken. Was John Loftus damals aufbaute, hatte auch 20 Jahre später noch Bestand. Erst in diesem Jahr wurde die Dauerausstellung abgebaut – sie hat das Museum geprägt. „Jetzt ist eben die Zeit für etwas komplett Neues“, sagt John Loftus – wie gesagt, das Konzept dafür wird er hinterlassen.

Vom Physiklehrer zum Archäologen

John Loftus war übrigens nicht immer Archäologe. Zunächst hat er Physik studiert und als Lehrer gearbeitet. „Mit 23 hatte ich die Nase voll“, blickt er zurück auf seine erste Ausgrabung, bei der er gleich eine römische Fibel (Brosche) gefunden hat. Ab sofort ließ ihn die Faszination Archäologie nicht mehr los. 1977 kam er nach Deutschland, um für 14 Tage im damaligen Braunkohlerevier Düren zu buddeln. Aus 14 Tagen wurden Monate, aus Monaten ein Jahr – John Loftus hatte Fuß gefasst in Deutschland, studierte an der Uni Köln Ur- und Frühgeschichte und traf dort seine Regina. 1982 haben beide geheiratet und vier Kinder zur Welt gebracht.

Über Soltau und das Braith-Mali-Museum in Biberach kamen die beiden 1992 nach Schwerte. John Loftus war auf die Ausschreibung für die Schwerter Museumsleitung gestoßen und hatte sich erfolgreich beworben. Fünf Jahre später setzte er mit seiner Frau einen weiteren Meilenstein: das Historische Spiel. Was eigentlich nur für das Stadtjubiläum gedacht war, setzte sich Jahr für Jahr fort und wird auch in diesem Jahr in Argeste über die Bühne gehen – ohne John und Regina Loftus, die bereits vor zwei Jahren ihr Haus in Westhofen verkauft haben und den Lebensmittelpunkt in die Lüneburger Heide nach Neuenkirchen-Delmsen verlegt haben.

Dort wird John Loftus demnächst dauerhaft leben. Und, kann er Ruhestand? Zumindest einen Plan hat er schon: „Ich plane spontan zu sein“ – wenn das kein guter Anfang ist für den neuen Lebensabschnitt des 63-Jährigen, der übrigens auch einmal Präsident war – im Rotary Club Schwerte 2014/15.

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