Maren Kroymann – elegant, eloquent, charmant

Über eine schöne Stimme und eine schöne Ausstellung

Von Ingo Rous

Schwerte. Was für eine Frau! Eloquent, elegant, charmant, humorvoll, eine, mit der man gerne mal einen Kaffee trinken würde, mit der man Pferde stehlen könnte. Maren Kroymann wirkt, wie sie da in der Rohrmeisterei auf der Schwerter Kleinkunstbühne steht. Sie überzeugt, ist stimmlich über jeden Zweifel erhaben, interpretiert und nuanciert die Musik der 60er-Jahre, zeigt eine intensive Präsenz und macht neugierig auf das, was noch kommt in ihrem Programm „In my sixties“ – eine Zeit, der Befreiung und des persönlichen Erwachens. Die Popmusik der 60er Jahre hat den Soundtrack zur eigenen Pubertät geliefert. „Erstes sexuelles Begehren, der Wunsch nach Leichtigkeit, die Hoffnung auf eine Befreiung aus den verklemmt-rigiden Moralvorstellungen der Elterngeneration – die Songs der “Swinging Sixties” versprachen ein Leben, das bunter, wilder und schöner war“, heißt es dazu auf der Homepage von Maren Kroymann. Kleinkunst vom Feinsten, ganz ohne Improvisation, mit einer starken Johannes-Roloff-Band – herrlich!

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Maren Kroymann und ihr Band.

Die Hits der 60er-Jahre

Maren Kroymann lässt eine Zeit lebendig werden, die Akzente für Generationen gesetzt hat – nicht nur musikalisch. Aber ihr Auftritt ist keine Reise in die Nostalgie. Sie setzt sich mit dem ideologischen Geröll der damaligen Zeit auseinander, erzählt über sich, über schlechte Witze, die damals echte Brüller waren, philosophiert über das Thema Lesben und Kurzsichtigkeit. Und obwohl fast jeder weiß, dass Maren Kroymann eine Lebensgefährtin hat, hält Schwerte kurz den Atem an, als sie gesteht, dass auch sie -, ja, kurzsichtig sei.

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Spiel und Spaß: Maren Kroymann und Ralf Lehmann.

Ihre Geschichten bewegen sich auf Augenhöhe mit ihrer Musik. Dusty Springfield hat es ihr angetan. „I close my eyes and count to ten“ – sie singt den Hit aus dem Jahr 1968, als wäre es ihr eigener. Die Kinks sind dabei mit ihrem „Lazing on a sunny afternoon“, die Walker Brothers und „The sun ain’t gonna shine anymore“. Auch Christian Anders darf auf die Bühne: „Geh‘ nicht vorbei“. Selbst der Rock’n’Roll hält Einzug mit „It’s all over now“ von Bobby & Shirley Womack aus dem Jahr 1964 – ein Song, aus dem die Rolling Stones so richtig was gemacht haben. Und ein Stück so ganz nach dem Geschmack des Gitarristen Ralf Lehmann, der mit Maren Kroymann über die Bühne rockt. Für die 65-Jährige selbst sind die Songs ihrer Jugend ein steter Quell der Inspiration, sie taucht in sie ein wie in einen Jungbrunnen: “Ich habe gerade das Klimakterium hinter mich gebracht, jetzt befasse ich mich noch einmal mit der Pubertät“, hat sie einmal in einem Interview gesagt.

Am Ende brechen alle Dämme

Und so brechen am Ende alle Dämme, gibt auch der letzte Schwerter seine westfälische Zurückhaltung auf, klatscht, was das Zeug hält und entlädt damit seine Sympathien über Maren Kroymann und ihre Band, zwingt sie leidenschaftlich zu Zugaben. Heike Pohl, Leiterin des Schwerter Kulkturbüros, überreicht Blumen. Die Menschen sind begeistert, Maren Kroymann ist es auch. Und scheinbar ist sie nicht nur Sängerin, Schauspielerin und Kabarettistin, sondern auch eine Kunstliebhaberin. Am Ende nämlich, als sich Band und Begleiter schon in die Gastronomie der Rohrmeisterei zurückgezogen hatten, erwirbt Maren Kroymann aus der Benefiz-Edition der Rohrmeisterei einen handsignierten Druck von Rosemarie Trockel. Die gebürtige Schwerterin ist bekanntlich eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart.

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Ein Überblick über die Kleinkunstwochen.

Die Ausstellung zur Kleinkunst

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Eva Witter-Mante darf stolz sein auf die Ausstellung in den Zwischenraum Ateliers.

32 Jahre Kleinkunst in Schwerte – diese Zeit ist festgehalten worden in einer Ausstellung, die am Freitag in den Zwischenraum Ateliers am Markt eröffnet wurde. Sie wird den Rest der Schwerter Kleinkunstwochen begleiten. Die Ausstellung widmet sich den vielen Facetten der Kleinkunst. Das Kulturbüro, die Zwischenraum Ateliers und die Grafikerin Sigrid Helling haben einen bunten Mix der vielfältigen Kleinkunsthistorie zusammengestellt, u.a. mit Bildern des Schwerter Fotografen Lutz Krupka. Damit sollen die Schwerter Kleinkunstwochen, über Jahrzehnte hinweg ein Garant für internationale Spitzen- Kleinkunst und bundesweit eines der renommiertesten Festivals in diesem Genre, gewürdigt werden.  Vor jeder Kleinkunstveranstaltung haben Besucher und Besucherinnen sowie alle interessierten Menschen und Kleinkunst-Fans die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen.

Ausstellungszeiten sind: 7., 13., 20., 27. März und 9. April jeweils von 18 bis 19.30 Uhr.

Sonderöffnungszeit: 11. April von 11 bis 14 Uhr.

Rebecca Carrington

Emscherblut

 

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