Meisterhaft: Alexey Sychev und eine traumhafte Sternstunde am Bösendorfer

Schwerte. So einen Mann lässt man nicht einfach so von der Bühne. Mit stehenden Ovationen forderten die Zuschauer eine Zugabe vom jungen Pianisten Alexey Sychev. Ja, was dieser Künstler zeigte, war eine wahrlich meisterhafte Sternstunde am Bösendorfer. „Er ist ein hinreißender Klavierspieler“,urteilte Dr. Ulrike Pfau-Tiefuhr aus dem Vorstand der Konzertgesellschaft. Vielleicht hatte sich Alexey Sychev ja auch vom zauberhaften Klangbild seines Instrumentes inspirieren lassen.


Denn die Konzertgesellschaft hat den Flügel völlig überarbeiten lassen und dafür das Haus der Klaviere Gottschling aus Dülmen gewinnen können. Die Investition hat sich gelohnt, der Bösendorfer präsentierte sich mit einem völlig veränderten Klangbild, war scheinbar präsenter als zuvor. Zudem blieben die Vorhänge in Halle 3 diesmal offen – möglicherweise hat auch das zu einer neuen und außergewöhnlichen Akustik geführt.

Musik wurde zum Erlebnis

Und wenn der Bösendorfer dann auch noch so meisterhaft bedient wird, dann ist das ein Erlebnis. Schon Ludwig van Beethovens Sonate „Waldstein“, mit dem Alexey Sychev sein Programm begann, offenbarte die endlos tiefen Fähigkeiten des Künstlers. Es sollte noch besser kommen – mit der Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt zum Beispiel. Alexey Sychev übertrug den charakteristischen Synkopen-Rhythmus gekonnt auf die Tasten – ein pianistisch sehr anspruchsvolles Musikstück.

Einringlich: Prokofievs Kriegssonate

Es folgte die Sonate Nr. 7 von Sergej Prokofiev – ein irrwitziges Stück, das jeden Pianisten an die Grenzen der Emotionalität führt. Schon Glenn Gould, kanadischer Pianist und Musikautor, bemerkte, dass die Harmonik längst die Grenzen zur Atonalität berührt. „Ein stürmischer, attackierender Lauf voller Willen zum Siege räumt alles auf seinem Weg beiseite, gewinnt an Gewalt in der Schlacht, erwächst zu gigantischer Kraft, lässt das Leben sich behaupten“, sagte Swjatoslaw Richter, der Pianist der Uraufführung am 18. Januar 1943 in Moskau, für Prokofjews siebte Klaviersonate. Die Kriegssonate 2 („Stalingrad“) lässt den Flügel bis in die letzte Ecke, die letzte Windung vibrieren (SWR 2, https://www.swr.de/swr2/musik/musikstueck/sergej-prokofjew-klaviersonate-nr-7-b-dur-op83/-/id=2937886/did=17579344/nid=2937886/bnsqu0/index.html).

Gnadenlos gut schließlich „La Valse“ von Maurice Ravel, ein Stück, das ursprünglich mal „Wien“ hieß. In diesem Werk begegnen sich Rhythmen, kämpft der Takt des Militärs gegen den Rhythmus des Walzers und umgekehrt. „Dazu lässt Ravel die Walzerklänge auch noch durch impressionistische Rhythmen und Harmonien verschwimmen“, heißt es in einer Beschreibung des Rundfunksenders BR Klassik. Alexey Sychev beschreibt diesen Kampf, dieses Eindringen virtuos und eindringlich und forderte den Beifall der Zuschauer heraus, noch ehe die letzte Note verhallt war.

Die nächsten Termine der Konzertgesellschaft:

  • 18. November, 19 Uhr Freischütz: Requiem von Antonin Dvorak

  • 19. Dezember, 19 Uhr St. Viktor: Weihnachtsoratorium, Teil I-III

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