Pierre Stutz in Schwerte: Ein Schelm mit Tiefgang

Schwerte. Schelmisch, philosophisch und spirituell fängt der Schweizer Pierre Stutz seine Gäste im neuen Gemeindezentrum bei seinem Vortrag zum neuen Buch „Lass´ dich nicht im Stich“ ein.  Dabei versammelt er einen ganzen Reigen an kirchlichen und spirituellen Frauen und Männern um sich und gibt sich überrascht über sein junges Ich. „Ich war 23 und da war schon alles da und dann habe ich noch so viele Kurven gedreht. Warum? Weil das Leben so ist.“ Lebendig, fehlerhaft und leidenschaftlich – so darf ein Menschenleben sein. Seinen eigenen Spuren nachgeben und sehen wo die Muster liegen. Pierre Stutz hangelt sich mal bedächtig, mal verspielt an Zitaten und der eigenen Biographie entlang und die etwa sechzig Gäste hören zu.

Leidenschaftliche Gelassenheit im Alltag oder Schreiben heißt Beten

Keine Angst vor großen Meistern, auch die sind nur Menschen – eine Erkenntnis, die auch beim jungen Theologiestudenten erst mit den Jahren reift. Einen Fluchpsalm entfaltet er für eine Arbeit im gelobten Land und ist schon damals auf der Suche nach besonderen Kraftquellen. Heute, mit 64 Jahren, gesteht er: „Ich übe noch immer“ und weist auf die aggressive Kraft in jedem hin. Der reine Wortsinn ist wertneutral und nur im Zeitgeist wird es negativ belegt. „Erst einmal heißt es: ich bin dabei, ich nehme teil – das ist doch gut, oder?!“ Der leichte Dialekt, der schelmische Gesichtsausdruck, die bedächtigen Pausen an den richtigen Stellen – Stutz führt ebenso sicher wie authentisch durch seine Anliegen und am Ende wird eifrig signiert.

Provokative Auseinandersetzung: Fehlanzeige – zugewandte Unterhaltung: immer

Mut zur Änderung der Perspektive – Mut zum Neubeginn. Die Ideen des bodenständigen und suchenden Stutz schlagen eine Brücke über alle Konfessionsgrenzen und machen an gelebten Beispielen klar: Wer wartet, bis die Bedingungen perfekt sind, der wartet ewiglich. „Der Friedensmann aus Bethlehem ist nicht zufällig in unruhige Zeiten gesetzt worden,oder?“ Wohl nicht, und für den Organisator der evangelischen Kirchengemeinde Tom Damm ist am Ende nicht viel zu sagen: „Manches muss man einfach stehen lassen. Mit Pierre Stutz arbeite ich bereits zum wiederholten Male. Gut, ihn hier zu haben.“ Sätze mit nach Hause nehmen, Bücher und Gedanken – den flapsigen Satz „irgendwann wird man doch wohl durchmeditiert sein“ und die Gewissheit Aggression ist allemal besser als Gleichgültigkeit – das wäre dann wirklich das Ende.

  • Videos, Statements und mehr auch auf der Webseite des rührigen Lebenskünstlers www.pierrestutz.ch
  • Pierre Stutz
  • Lass dich nicht im Stich
  • Patmos
  • ISBN 978 – 3 – 8436 – 0950 – 0

 

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