Problemfall Cybermobbing: Lukas Pohland kämpft für Präventionsarbeit

Düsseldorf. Sigrid Beer, die schulpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN hat Lukas Pohland, Schüler und Gründer der „Cybermobbing-Hilfe“ und Catarina Katzer, der Leiterin des Instituts für Cyberpsychologie & Medienethik in Köln, in den Landtag zu einem Gespräch eingeladen. Catarina Katzer und Lukas Pohland haben im Sommer einen offenen Brief an das Schulministerium und die schulpolitischen Sprecher geschrieben.


Pohland und Katzer fordern in ihrem Brief Präventionsarbeit an Schulen zu leisten, indem über positives Nutzen, Gefahren und Risiken des Internets aufgeklärt wird. Ferner sind feste Lehrplaneinheiten zum Thema „Cybermobbing“ und die Einrichtung des Fachs „Medienerziehung“ an allen Schulen in NRW gefordert. Damit die Schüler im Falle des Falles gelassener reagieren, soll ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden. Dies ist auch dringend nötig, denn etwa ein Fünftel der Cybermobbing-Opfer hat Suizidgedanken. Um dies zu erreichen sollen an allen Schulen des Landes Medienscouts eingerichtet werden. Das sind ausgebildete Schüler, die ihrer Mitschüler in medienbezogene Themengebiete aufklären sollen. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen und somit einen aufgeklärten und verantwortungsbewussten Umgang dieser mit den Medien zu fördern.

Lehrer fühlen sich nicht zuständig

Bisherige Projekte richten sich nur an die weiterführenden Schulen, aber die Täter und Opfer werden immer jünger. „Neuste Studien zeigen, dass 60% aller Grundschullehrer Fälle von Cybermobbing kennt.“, so Dr. Katzer in der Pressekonferenz am Montag. Daher sollte auch an Grundschulen Präventionsarbeit geleistet werden.

Fälle von Cybermobbing werden von Lehrern häufig nicht beachtet, da diese sich nicht dafür zuständig fühlen. Lukas Pohland war selbst betroffenen und erlebte am realen Beispiel einer Mitschülerin aus Schwerte, dass sich die Schulleiterin gar nicht mit dem Problem auseinandersetzen wollte. Sie verwies auf die Polizei und wollte „lieber mit dem Opfer Kaffee trinken, anstatt über den Fall zu reden“. Da alle Versuche auf Gespräche erfolglos waren, wechselte das Opfer die Schule. Sigrid Beer ist mit den beiden Verfassern des offenen Briefes gleicher Meinung: Lehrer und Schulleiter müssen zu diesem Thema fortgebildet werden. Sie wünscht sich eine interfraktionelle parlamentarische Lösung zum Thema Cybermobbing. Bisherige Projekte wie der Medienpass und die Medienscouts sollen erweitert werden. Außerdem sollen weitere Projekte geschaffen werden. Cybermobbing muss in allen Fächern thematisiert werden. Der offene Brief ist für sie der Anstoß für eine parlamentarische Initiative.

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