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Schwerter Waffenhändler erhält Bewährungsstrafe

Schwerte. Das Hagener Landgericht hat einen Waffenhändler aus Schwerte zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Aber der 56-Jährige muss nicht ins Gefängnis. Die Kammer folgte dem Antrag des Oberstaatsanwaltes und gab dem Schwerter Bewährung.

Am Ende blieben 74 unerlaubte Waffengeschäfte und der Verstoß gegen die sachgemäße Aufbewahrung von drei Revolvern und zwei Tonnen Munition übrig. „Diese 74 konkreten Handelsgeschäfte kann die Kammer feststellen. Es gab aber keinen Handel mit Kriegswaffen, sondern nur mit handelbaren Waffen“, hieß es zu Beginn der Urteilsbegründung.

22 Waffenschränke

Schnell kam der vorsitzende Richter der Kammer auf das Thema Aufbewahrung der Waffen zu sprechen, um das sich ein Großteil des Prozesses drehte. Zollfahnder hatten mehrfach ausgesagt, dass Waffen im Privathaus des Schwerters ungesichert herumgestanden hätten. Der 56-jährige ehemalige Betreiber eines Waffengeschäfts hatte sich stets dagegen verwahrt, dass die Waffen immer ungesichert waren. Einige der insgesamt 600 Waffen hatte der Angeklagte an dem Morgen herausgenommen, um sie für Verkäufe vorzubereiten, hatte er zu Beginn des Prozesses erklärt. Der Zoll habe erst Fotos von den Zuständen im Haus gemacht, nachdem er die Waffen sozusagen auf einem Haufen gestapelt hatte.

Das Gericht sah den Fall ganz ähnlich: „Es gab 22 Waffenschränke. Grundsätzlich hätten sämtliche Waffen untergebracht werden können. Auch wenn wir Zweifel haben, dass er einige Waffen erst an dem Morgen herausgeholt hat. Aber wir können die Angaben des Angeklagten nicht widerlegen.“ Stattdessen konzentrierten sich die Richter auf drei Revolver, die im Eingangsbereich unsachgemäß gelagert waren – durchaus zum Zwecke der Selbstverteidigung. Das hatte der Schwerter eingeräumt. Sie befanden sich in einer Sporttasche und einer Brusttasche nahe der Garderobe. Dass er diese Waffen wirklich jeden Abend in den Tresor schloss und nur dort deponierte, wenn er allein im Haus war, nahmen ihm die Hagener Richter nicht ab.

Kontrollen versagten

Zu seinen Gunsten berücksichtigte das Gericht das frühe Geständnis des Schwerters und seinen Verzicht auf sämtliche Vermögenswerte, die in Form von Waffen und Munition noch bestanden. Er hat kein Geschäft mehr, das er verkaufen kann. Und: „Wir haben auch berücksichtigt, dass die gesetzlichen Kontrollen durch den Kreis Unna vollständig versagten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hagen sprach im Plädoyer von einem Behördenversagen in mehreren Akten. Dem wird die Kammer nicht widersprechen.“

Jahrelang hatte der Schwerter mit einer Handelserlaubnis weitergearbeitet, die er eigentlich nicht mehr besitzen durfte. Ein Mitarbeiter des Kreises Unna entzog ihm die Erlaubnis nicht. Erst als das 2013 aufflog, kam ein Mann aus Hemer ins Spiel, der als Strohmann fungierte. Beide Männer gaben zu Prozessbeginn zu, kein Arbeitsverhältnis miteinander gehabt zu haben. Der Schwerter führte das Geschäft eigenverantwortlich weiter. Im März 2015 kam es zu einer Hausdurchsuchung beim Schwerter, die für viel Aufsehen sorgte. Rund 600 Lang- und Kurzwaffen und Munition wurden sichergestellt. Die Verfahren gegen die beiden anderen Angeklagten wurden eingestellt.

Schwerter Waffenhändler steht vor einer Bewährungsstrafe

 

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