Schwerter Waffenhändler steht vor einer Bewährungsstrafe

Hagen/Schwerte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hat eine Bewährungsstrafe für den Schwerter Waffenhändler gefordert. In seinem Plädoyer sparte er nicht mit Kritik an der Kreispolizeibehörde in Unna.

„Wir stehen am Ende einer größeren Beweisaufnahme, und die rechtlichen Probleme waren nicht gering“, begann Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli seine Ausführungen. Er skizzierte den Werdegang des 56-jährigen Schwerters, der nach seiner Ausbildung bei einer renommierten Firma, die mit Waffen handelt, selbst in den Handel mit legalen Waffen einstieg. Bis der 56-Jährige 2003 sich strafbar machte und ihm die Waffenhandelserlaubnis entzogen werden sollte.

Harsche Kritik an Kreispolizeibehörde

Da kam der Oberstaatsanwalt auf die Rolle der Kreispolizeibehörde Unna zu sprechen. Er warf der Behörde mehrfaches Versagen über Jahre hinweg vor. Als dem Schwerter 2003 die Handelserlaubnis entzogen werden sollte, geschah nichts, betonte Pauli: „Man ließ die Frist verstreichen. Die Behörde legte die Hände in den Schoß. Das war Behördenversagen Nummer 1.“ Dem langjährig alleinigen Sachbearbeiter, gegen den das Verfahren gegen eine Geldbuße eingestellt wurde, sei klar gewesen, „dass dem Angeklagten die Erlaubnis zu widerrufen war!“, so Pauli.

Unterm Radar ging’s weiter

Sozusagen unter dem Radar baute der Angeklagte sein Geschäft auch nach der ersten Verurteilung weiter aus. Er nahm Waffen in Kommission und vermittelte An- und Verkäufe von Waffen an berechtigte Käufer und Händler. Auch als 2013 durch einen Zufall aufgedeckt wurde, dass die Erlaubnis eigentlich längst entzogen werden musste, habe der Sachbearbeiter weiter schützend seine Hand über den Angeklagten gehalten. Der dritte Angeklagte, gegen den das Verfahren ebenfalls eingestellt worden ist, habe seine „Lizenz im Handumdrehen“ bekommen, kritisierte Pauli. Das ermöglichte dem Schwerter weiterzumachen. „Das war Behördenversagen in beachtlichem Ausmaß! Wir rühmen uns in Deutschland eines der schärfsten Waffengesetze zu haben. Aber dazu benötigt es auch eine Verwaltung, die dazu willens und in der Lage ist. Insofern hat die Verwaltung durch Wegsehen die Straftaten erst ermöglicht“, lautete das harsche Fazit des Oberstaatsanwaltes.

Ein Jahr und neun Monate

Unter Berücksichtigung der Umstände des Angeklagten, von denen Dr. Pauli einige als besonders kennzeichnete, beantragte er ein Jahr und neun Monate Haft. Und er forderte, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden soll.

Verteidiger Andreas Trode fasste sich kurz: „Ich beantrage für meinen Mandanten eine angemessene Bewährungsstrafe. Ich will keine Erbsenzählerei. Ich will auch nicht wiederholen, was der Herr Oberstaatsanwalt an Richtigem bereits gesagt hat.“ Der Schwerter wollte sich nicht mehr dazu äußern. Er verzichtete auf das letzte Wort und schloss sich seinem Verteidiger an.

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