T.a.F. „Luther“: Phänomenale Premiere

Schwerte. Das Lutherjahr neigt sich dem Ende – die neue Spielzeit „La Decima“ des Theaters am Fluss (T.a.F.) startete am Dienstag, 3. Oktober, mit „Luther“ eine fulminante Premiere, ein Schauspiel aus der Feder von Regisseur Stefan Schroeder. Ihm ist eine exzellente historische Aufarbeitung des Lebens und Wirkens des Reformators gelungen.


Es ist eine große Inszenierung, mit einer großen Besetzung. An die 30 Darsteller schlüpfen in 60 Rollen. Aufgezeichnet wird Luthers Weg von der Domschule, in die er als Zehnjähriger ging, bis zu seinem Tod im Jahr 1546. Zu Anfang hieß er noch Luder, den Nachnamen änderte er später in Luther, abgeleitet vom griechischen Eleutherios (der Freie). Luder sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und den Silberbergbau erlernen und beginnt mit einem Jurastudium. Als 22-Jähriger gerät Luder in ein Gewitter, ein Blitzschlag verfehlt ihn nur knapp. Teufel und Hexen erscheinen ihm: „Es ist eine Entscheidung des Himmels.“ Er wird Mönch und später zum Priester geweiht.

Luder betet und büßt mehr als andere. Er hadert mit seinem Gewissen und mit seiner Sündhaftigkeit. „Du willst ohne Sünde sein, dabei hast Du keine Sünde“, sagt Generalvikar Johann von Staupitz (Gerhard Winterhager) zu ihm.

Johann von Staupitz (Gerhard Winterhager) redet auf Luther ein. Der Teufel schaut ihm über die Schulter.

Luder begibt sich nach Rom. Der Sittenverfall, der ihm dort begegnet, entsetzt ihn. Er kritisiert den Ablasshandel. Der Ablass, ein Betrug an den Menschen, sei eine Spende an den heiligen Vater: „Wofür braucht man dann noch eine Beichte?… Wenn wir die Sünden bekennen, werden sie vergeben aufgrund der Gnade Gottes.“

Ablassbriefe werden in Rom verkauft.

Grandiose Aufarbeitung – grandiose Inszenierung

Die von ihm verfassten 95 Thesen soll er am 31. Oktober 1517 – der Tag symbolisiert bis heute die Reformation – an das Wittenberger Kirchentor genagelt haben. Luther wird exkommuniziert. Es wurde die Reichsacht verhängt. Kurfürst Friedrich der Weise versteckt Luther auf der Wartburg, wo dieser die Bibel ins Deutsche übertrug. 1525 heiratet er widerwillig die aus einem Kloster geflüchtete Nonne Katharina von Bora. Sie führt ihm den Haushalt, gebiert ihm sechs Kinder.

Widerwilig hält Luther um die Hand von Katharina von Bora (Laura Pütz) an.

Wie gesagt, die historische Aufarbeitung dieses Schauspiels wie auch Luthers Auseinandersetzung mit Rom und der katholischen Kirche, seine Zerrissenheit, sein Hass auf alle, die anderen Glaubens waren, sind hervorragend gelungen. Das gesamte Ensemble legte eine vortreffliche Darbietung ab. Allen voran Hauptdarsteller Ingo Löwen als Luther. Verdient hätte ein jeder eine Einzelkritik. Die lebhafte, vielfältige Spielfreude, die große Textsicherheit der langen Monologe und Dialoge – teilweise in Latein (die Übersetzung wurde mittels Beamer dem Publikum angezeigt)-, eine phänomenale Dramaturgie, kleine Details, wie das Puppenspiel zu Wittenberg, auch der Humor fehlte nicht, fügten sich zu einer bemerkenswerten, farbenreichen und lebendigen Inszenierung. Allerdings wurde den Zuschauern mit mehr als drei Stunden Aufführung plus Pause einiges abverlangt. Nichtsdestotrotz war der Applaus beträchtlich.

Georg Spalatin (Laura Pütz), Friedrich der Weise (Martina Förster).

Ablassprediger Johannes Tetzel (Herbert Hermes) und die Teufel (Anna Gerlich, Katharina Hülsmann, Alina Kaufmann, Isabel Strumberg).

Luther inkognito auf der Wartburg.

Kardinal Giovanni de Medici (Alexander Lux), Papst Julius II. (Christiane Masiak).

Papst Leo X. (Alexander Lux).

Die weiteren Vorstellungen in der Theaterhalle 4 der Rohrmeisterei:

Donnerstag, 5. Oktober, 19.30 Uhr, Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr, Freitag 13. Oktober, 19.30 Uhr, Samstag, 14. Oktober, 19.30 Uhr, Sonntag 15. Oktober, 18 Uhr.

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