TaF: Große Bühne für Junges Ensemble

Schwerte. Licht aus. Im ausverkauften Saal kehrt Ruhe ein, die Scheinwerfer rücken die Bühne ins Rampenlicht. Es weihnachtet. Der unfreundliche, griesgrämige und geizige Ebenezer Scrooge (Alexander Lux), der nichts von Weihnachten wissen will, sitzt mit seinen Angestellten im Kontor, verschickt noch schnell die letzten Mahnungen – er liebt nur sein Geld, nicht die Menschen. Der Beginn einer berührenden Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens, mit der das Junge Ensemble vom Theater am Fluss (T.a.F.) um Regisseurin Anja Samaga am Freitagabend eine umjubelte Premiere feierte.


Alina Kaufmann leitet das Publikum als Erzählerin einfühlsam durch die Weihnachtsgeschichte.

Premiere hatte auch das Junge Ensemble damit, dass sie dieses Bühnenwerk nach Vorlage des Weihnachtsklassikers aus dem Jahre 1843 selbst geschrieben hat, mit Musik, live von Daniel Werner am Keyboard und Helena Eicher an der Gitarre und mit Alina Kaufmann als Erzählerin.

Mit drei Geistern zurück in die Vergangenheit

Scrooge will nichts von der Einladung seines Neffen Fred (Peer Büscher) wissen.

Scrooge (Alexander Lux) macht seinen Mitmenschen das Leben schwer. Brüsk, weist er seinen Neffen Fred (Peer Büscher) ab, der ihn zum Weihnachtsessen einladen will, Spenden für Bedürftige – kommt nicht in Frage. Sein Kontor trägt den Namen Scrooge & Marley. Allerdings ist sein Geschäftspartner bereits vor sieben Jahren verstorben. Marley (Matthias Oberschelp), der selbst im Tod schwer an seinen Sünden (schwer gezeichnet mit Ketten um seinen Körper, kommt er auf die Bühne) zu tragen hat, erscheint ihm in der Nacht und prophezeit ihm den Besuch von drei Geistern.

Mit dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht (Lisa Albrecht) ist Scrooge zu Gast beim armseligen Weihnachtsfest der Familie Cratchit.

Nacheinander erscheinen Scrooge die Weihnachtsgeister: der Geist der vergangenen (Johanna Grünebaum), der gegenwärtigen (Lisa Albrecht) und der zukünftigen (Malte Donner) Weihnacht. Sie wandeln mit ihm durch sein Leben, durch die glücklichen Tage seiner Kindheit, seine erste Liebe, zeigen ihm das schwere Schicksal seines unterbezahlten Angestellten Cratchit (Lennart Becker), das ausgelassene Feiern der Familie seines Neffen mit vielen Freunden und auch, dass er das zukünftige Weihnachtsfest nicht erleben wird – und sein Ableben bei niemandem Trauer hinterlässt. So wird es kommen, wenn er sein Leben nicht ändert.

Gefühlvolle Inszenierung

Mit professionellem Spiel, Gestik und Mimik überzeugen die jungen Talente auf der Bühne. Alexander Lux glänzt in seiner Rolle als unbarmherziger Scrooge. Die Arroganz und Kaltherzigkeit vermittelt er ebenso glaubhaft, wie seine Wandlung.

Die Wandlung des Scrooge.

Märchenhaft verkörpern Johanna Grünebaum, Lisa Albrecht, Malte Donner die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht. Engelhaft und lieblich kommt Nina Belligoi daher und rührt mit der trostlosen Kindheit des Griesgrams zu Tränen. Mit Zauberstab im Gepäck und plötzlich alternd, hatte Lisa Albrecht viele Lacher auf ihrer Seite. Sprachlos und ausdrucksstark und ebenso gruselig wie Matthias Oberschelp als Marley, erscheint Malte Donner, der Scrooge die bedrohliche, düstere Zukunft vor Augen führt.

Lennart Becker besetzt den milden Familienvater – das Geld reicht vorne und hinten, der Sohn stirbt, und doch führt er ein harmonisches Familienleben und versucht seinem Arbeitgeber noch positive Seiten abzugewinnen – mit Bravour. So wie das gesamte 23-köpfige Ensemble.

Das gesamte Ensemble singt mit dem Publikum „Oh du fröhliche“.

Die gefühlvolle Inszenierung, mit schönen Kostüme, mit rasch umgesetzten Bühnenbildern, stimmungsvoller Musik, ein sympathisches, bestens aufgestelltes Ensemble kam richtig gut an. Der wohl verdiente Applaus wollte nicht enden. Und „Weihnachten ohne ‚Oh du fröhliche‘ geht nicht“, sagt Anja Samaga. Und das wurde gemeinsam mit dem Publikum am Ende angestimmt.

Die weiteren Aufführungen in der Halle 4 der Rohrmeisterei: Dienstag, 12. Dezember, Freitag, 15. Dezember,  jeweils um 19 Uhr, Samstag, 9., Sonntag, 10., Samstag, 16 und Sonntag 17. Dezember um 16 Uhr.

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