Über sieben Brücken müssen sie geh’n: Ein besonderer Abend in der Rohrmeisterei

Schwerte. „Über sieben Brücken musst du geh’n“ – als der Chor „Lichtblick“ aus Unna dieses Lied sang, wurde die ganze Not von Menschen mit psychischen Erkrankungen auf eine besonders intensive Art und Weise greifbar. Ja, depressive Menschen haben lange, sehr lange Wege, um sich aus dieser Misere zu befreien. Das geht häufig nicht alleine. Deshalb gibt es die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen des Kreises Unna (K.I.S.S.) – in Schwerte, in Unna und in Lünen. Und die hatte am Freitag zu einem ganz besonderen Abend in die Rohrmeisterei geladen.

Tobi Katze führte durch den Abend.

Musik und Poetry Slam

Markus Bock

Ludger Unterstell

Musik und Poetry Slam stand auf dem Programm in der bestens gefüllten Halle 3 der Rohrmeisterei. Aus allen Städten des Kreises waren die Besucherinnen und Besucher angereist, um mitzumachen, um mitzuleben und um einen ganz besonderen Abend zu erleben. Das hatte sich schon im Vorfeld abgezeichnet, und es wurde ein ganz besonderer Abend. Ein Abend, an dem sich Menschen auf der Bühne öffneten, ihre Belastungen transportierten ins Bewusstsein derer, die sich nicht mit Depressionen abmühen müssen, die „nur“ manchmal ein bisschen traurig sind. Das vergeht wieder, aber Depressionen müssen eben über sieben Brücken getragen werden, meist traurig, manchmal kämpferisch und trotzig wie der Herr Bock, der sich aus der selbstkritischen Gedankenspirale etwas befreit hat, sich weiter befreien wird. Das kann Mut machen. Nein, das macht Mut! Weil es so beeindruckend ist.

Tobi Katze und seine Ballons

Die Band SmArtability

Es war viel los in der Rohrmeisterei.

Es war ein gelungener Abend, den K.I.S.S. da auf die Beine gestellt hat, nicht zuletzt auch durch Tobi Katze, Deutschlands vielleicht bekanntestem Depressionisten. Er hat schon zwei Bücher herausgebracht, „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ und „Immer schön die Ballons halten“. Er weiß, wovon er spricht, er kennt den harten Kampf zwischen äußerlicher Normalität und innerem Chaos.

Seine Anwesenheit rückte natürlich das Thema Depression in den Vordergrund. Aber es gibt auch viele andere Selbsthilfegruppen im Kreis, rund 250 Stück zwischen Schwerte und Lünen. Ludger Unterstell kommt aus der SHG „Multiple Sklerose“, die sich „trotzdem“ nennt – kämpferisch und stark, offen und neugierig. Lebensmut pur, die da durch ihn zum Ausdruck kam. Ein besonderer Abend, der von der Band „SmArtability“ musikalisch umrahmt wurde.

Birgit Kollmann aus Unna und Lisa Nießalla aus Lünen haben den Abend mitorganisiert. Hören Sie, wie beide über den Abend denken:

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