Versuchter Totschlag: Gutachter kann keine Differenzierung vornehmen

Hagen/Schwerte. Der Schwerter hat seinen Kontrahenten nicht lebensgefährlich mit dem Messer am Hals verletzt. Das sagte ein Rechtsmediziner vor dem Hagener Landgericht. Wie es genau zu den Messerstichen kam, da wollte sich der Gutachter nicht festlegen. Am frühen Neujahrsmorgen 2016 war es in der Reichshofstraße zu einer wüsten Schlägerei zwischen zwei Menschengruppen gekommen. In deren Verlauf soll ein 38-jähriger Schwerter ein Campingmesser gezückt und auf einen 20-jährigen Schwerter eingestochen haben.

Bei dem blutigen Streit in der Reichshofstraße hatte ein junger Schwerter zwei Messerstiche abgekriegt. Die eine Verletzung war am Hals des 20-Jährigen. Der zweite Stich befand sich knapp unter seinem rechten Schlüsselbein. Die zweite Wunde war tiefer. Im Krankenhaus vernähten Ärzte den Stichkanal. Der Schwerter hatte einen halben Liter Blut verloren.

Verletzungen können im Gerangel entstanden sein

Um die Verletzungen zu begutachten, zog das Gericht den Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff aus Dortmund zu Rate. Zunächst erklärte Zweihoff seine Erkenntnisse zu der Wunde am Hals des Schwerters. Dabei handelte es sich offenbar mehr um einen Schnitt. „Der Schnitt am Hals war nicht lebensgefährlich. Er verlief subkutan, also im Gewebe direkt unter der Haut.“ Bei der tieferen Verletzung sah der Experte die Möglichkeit, dass der Stichkanal sich durch heftige Armbewegungen des jungen Schwerters vertieft haben könnte.

Der 20-Jährige hatte am ersten Verhandlungstag einen Druck beschrieben. Und erst als er den Angeklagten abgeschüttelt hatte, sei ihm das viele Blut an seiner Kleidung aufgefallen. Der Angeklagte gab an, dass er das Messer nur vorgehalten, aber nicht zugestochen habe. Seiner Meinung nach entstanden die Verletzungen des 20-Jährigen im Gerangel. Der Experte nahm den Prozessbeteiligten die Hoffnung, aus den Aussagen und der Art der Verletzungen rekonstruieren zu können, ob der Angeklagte absichtlich zustach oder nicht. „Das ist typisch, dass das Opfer den Stich nicht bemerkt und statt Schmerzen nur einen Druck verspürt hat. Aber eine Differenzierung, wie es zu dem Stich kam, ist nicht möglich.“ Zweihoff legte sich nicht fest und erklärte: „Es ist nicht auszuschließen, dass es im Gerangel geschah. Denn es handelte sich um ein dynamisches Geschehen.“

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