Versuchter Totschlag: Tötungsabsicht konnte nicht nachgewiesen werden – Verfahren eingestellt

Hagen/Schwerte. Das Verfahren gegen einen Schwerter wegen versuchten Totschlags ist eingestellt worden. Am Ende war vieles unsicher geblieben. Eine Tötungsabsicht konnten die Richter am Hagener Landgericht dem 38-Jährigen nicht nachweisen.

Von dem ursprünglichen Vorwurf, der Schwerter habe einen 20-Jährigen mit einem Messer töten wollen, blieb nichts mehr übrig. Bereits am vorhergehenden Verhandlungstag zeichnete sich ab, dass der Prozess eine Wende nehmen würde. Die Kammer regte ein Gespräch mit allen Prozessbeteiligten außerhalb der Verhandlung an. So fasste der vorsitzende Richter am Dienstag die Entwicklung zum Ende des letzten Prozesstages zusammen. Staatsanwältin, Verteidiger und Nebenklage stimmten dann dem Vorschlag zu. Die Sitzung wurde unterbrochen. Bald darauf teilte Marcus Teich, der Vorsitzende der Kammer, mit: „Das Verfahren wird gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Nach der bisherigen Beweisaufnahme kommt aus Sicht der Kammer eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Totschlags nicht mehr in Betracht. Eine Tötungsabsicht ist nicht nachweisbar.“ Die Hagener Richter verwiesen auf die lange Verfahrensdauer, und Teich betonte die „erheblichen Verletzungen, die der Angeklagte und seine Frau selbst davongetragen haben.“ Mit Blick auf die Beweisaufnahme sahen die Richter „verbleibende Unsicherheiten“.

Nebenkläger widersprach

Die Nebenklage widersprach der vorläufigen Einstellung des Verfahrens. Doch es blieb dabei. Der Schwerter muss nun 2500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen. Danach ist das Verfahren endgültig abgeschlossen.

In der Neujahrsnacht 2016 kam es in der Reichshofstraße zu einer wüsten Schlägerei, die schließlich in eine Messerstecherei zwischen Angeklagtem und dem 20-jährigen Nebenkläger mündete. Jemand aus der Gruppe des Angeklagten soll einen Witz in Richtung der Freundin des späteren Geschädigten gemacht haben. Das junge Pärchen sprach vor Gericht von einer üblen Beschimpfung. Daran entbrannte der Streit. Der 20-Jährige räumte ein, der Frau des Angeklagten ins Gesicht getreten zu haben. Sie erlitt Knochenbrüche.

Der 20-Jährige wurde schwer verletzt. Ein Gutachten ergab jedoch, dass die Stich- und Schnittwunden nicht lebensgefährlich waren. Der Gutachter hielt für möglich, dass die Wunden am Hals und knapp unter dem Schlüsselbein des jungen Mannes im Gerangel entstanden sind. Der 38-jährige Angeklagte hatte in seiner Einlassung nämlich erklärt, er habe das Messer vorgehalten und nicht aktiv zugestochen. Das Messer war laut Angeklagtem Teil eines Campingsets, das er auf die nächtliche Wanderung zur Hohensyburg mitgenommen hatte, wo die Paare Silvester gefeiert hatten.

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