Vogelhebamme und Leseoma: Eine Etagenwohnung ist nicht genug

Schwerte. „Sie sind hier bei ganz normalen Leuten,“ sagt Hildegard Richter und meint damit, dass Blätterteigapfeltaschen auch durchaus mal mit der Hand gegessen werden dürften. So unkompliziert und lebensfroh befindet sie sich mit ihrem Mann Horst in gepflegtem Unruhestand. Die Etagenwohnung im Gänsewinkel ist dabei der Ausgangspunkt für viele Unternehmungen.


Mit Mitte 70 ist Horst Richter noch immer leidenschaftlicher Vogelzüchter. Seit über zwei Jahrzehnten ist für ihn der Schlupf von Küken zum Besonderen Moment geworden. Er zeigt eine Miniaturpalette mit winzig kleinen Eiern von Waldvögelchen: „Meist sind vier im Gelege, manchmal fünf.“ Das erste Knacken ist ein spannender Moment. Wenn nach einer Stunde nichts passiert ist setzt er sich als sanfte Hebamme ein.

Das ist eine Sammlung von Eiern von Waldvögeln.

Geduld gibt Richter als eine wichtige Eigenschaft für einen erfolgreichen Züchter an: „Manchmal schaue ich während der Brutphase nur durch den Türspalt in den Raum, damit die Tiere in dieser besonderen Phase nicht gestört werden.“  Ehefrau Hildegard ist ebenfalls im Hobby involviert und unterstützt: „Ich musste schon mal ein kleines Vögelchen mit einem Streichholz füttern. Das hat geklappt.“

Peterchen Richter – Familienmitglied mit Federn

Angefangen hatte alles mit Peterchen, dem Vogel der Kinder: „Wir nannten ihn Peterchen Richter und er war ein Familienmitglied. Am Ende mussten wir ihn Einschläfern lassen. Das war traurig, aber wir hätten ihn nie selbst töten können.“ Seit dieser Zeit begleitet das Hobby die Familie. Dass nach dem Start ins Zuchtthema gleich nach zwei Jahren eine erste Medaille bei einer großen Schau gewonnen werden konnte, halten beide für Glück: „Noch heute denken wir an diesen kleinen Vogel. Die Leute standen am Käfig und sagten: Die weiß das sie schön ist. Und das war wahr: Sie posierte zur Schau.“ Inzwischen sind über die Jahre viele Plaketten und Medaillen dazugekommen. „Ein paar Wanderpokale werde ich wohl wieder abgeben müssen, aber das ist in Ordnung,“ sagt Richter.

Lernen, Lernen, Lernen

Horst und Hildegard Richter.

Beim aktiven Vereinsmitglied kreisen die Gedanken schon um die nächste Schau seines Vereins „Einigkeit Schwerte.“  „Mit einer Mannschaft gehe ich an den Start, wenn vier Vögel in einer Vogliere gezeigt werden,“ erklärt er. Er erzählt von A- und B-Vögeln, von Hähnchen und Futter. Das Hobby erfordert Logistik und genaue Beobachtung. Sein Wissen gibt Richter auch an Schulkinder weiter: „Ich bin auch damals in den Verein gegangen um zu lernen. Das finde ich wichtig.“

Begegnungen, Kontakte und Bücher

Hildegard Richter ist als quirlige Leseoma unterwegs und betreut eine Klasse in der Albert Schweitzer Schule: „Das Lesen ist wichtig, aber das Einfachdasein auch.“ Die enge Beziehung zur Lehrerin und den Kindern zeigt sich in diversen handgemachten Geschenken und es wird klar: Das ist eine klassische Win-Win Situation, von der beide Seiten profitieren. Geld ist dabei nicht die Währung, die zum Einsatz kommt. In der vergangenen Woche gab es mal Waffeln statt Bücher. Da ist die Leseoma immer mal für Überraschungen gut. Ein Vogelhäuschen mit der Aufschrift „Wir sind ausgeflogen“ einer vergangen Klasse hat Platz in der Wohnung gefunden und hält Erinnerungen wach.

Zeichnungen am Wohnzimmertisch

„Wahrscheinlich werde ich das mit der aktiven Zucht nicht mehr ewig machen können,“ sagt Horst Richter und legt dabei einen ganzen Stapel bunter Zeichnungen auf den Tisch. Piepmätze und buntes Gefieder überall – die Buntstiftzeichnungen auf einfachem weißen Büropapier zeigen die Lieblingstiere des Vogelliebhabers. „Wir werden jetzt ein paar Kopien lamieren und sie mit ausstellen, dann können sie Besucher sich an den Gefiederfarben orientieren.“ Mit den Zeichnungen hat Horst Richter sein Hobby so weiterentwickelt, dass es auch noch trägt, wenn die letzte Vogliere abgebaut ist. Lebendig wird es in der Etagenwohnung bleibe. Da sind sich beide einig.

Am 11. und 12. November richtet der Kanarien- und Vogelschutzverein „Einigkeit Schwerte“ die diesjährige Verbandsschau des Bereichs Sauerland aus. Ausgestellt werden 600 Vögel der verschiedenen Arten. Zu sehen sind auch zwei handzahme Kakadus, die von den Kinder  gestreichelt werden können. Die Ausstellung ist im Geisecker Schützenheim, Unnaer Straße 60a und an beiden Tagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Es gibt eine Cafeteria mit großem Kuchenangebot und Getränken. Der Eintritt beträgt 2 Euro. Kinder haben kostenfreien Eintritt.

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