Volksbühne Ergste hat keinen Zoff mit dem Stoff: Gelungene Herbstpremiere

Schwerte. Sex, Crime und Landwirtschaft – das alles steckt in dem diesjährigen Herbststück der Volksbühne Ergste. „Nur Zoff mit dem Stoff“, eine Komödie in drei Akten von Bernd Gombold, feierte am Samstagabend in der ausverkauften Turnhalle der Ergster Grundschule Premiere. Mit einem tollen Bühnenbild, jeder Menge Wortwitz und Pointen begeisterte das Ensemble die knapp 300 Zuschauer ausnahmslos. Wer es verpasst hat, hat noch drei Gelegenheiten das Versäumte aufzuholen.

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Henneliese von Wolkenstein schwebt auf Wolke Sieben.

Tomaten und Shiatsu zum Sonderpreis

Franz und Erika Kohl (Franz-Josef Wachowiak und Cornelia Grüll) sind einfache Gemüsebauern, die zwar jeden Tag hart arbeiten, aber mit ihrem gespritzten Salat nicht viel verdienen. Anders als ihre  Hippie-Nachbarin Maja Koch (Anja Peschel-Treek), die auf ökologischen Anbau und die chinesische Heilkunst schwört. 10 Euro für ein Kilo Tomaten, 180 Euro für eine Shiatsu-Therapie auf dem Gummiball – bei Maja Koch gibt es alles zum „Sonderpreis“. Am meisten profitiert davon ihre beste Kundin (oder ist es andersrum?), die esoterisch gespülte Henneliese von Wolkenstein, herrlich übertrieben gespielt von Rosemarie Schäfer. Berta Braun (Elvira Stirnberg) kauft hingegen je nach Skandal mal bei Kohls und mal bei Kochs.

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Voll war es bei der Premiere in der Grundschulturnhalle.

Klaus Koch, seines Zeichens Weltmeister im Geben von blumigen und tierischen Kosenamen, kann jedenfalls auch ganz ohne Chi Gong und Feng Shui geistig einen Gang runter schalten. Bei ihm ist die absolute Entspannung sozusagen ein Dauerzustand: „Ein Radieschen hat mehr Temperament.“ Er möchte einfach nur schlafen, essen und seine Ruhe haben. Leider geht das im eigenen Haus nicht. Denn hier ist Trennkost angesagt. Also seine Frau isst Fleisch und er das „Drei-Gänge-Menü für Stallhasen“. Lacher sind garantiert, wenn Heiko Schulz in seiner Rolle die Dummheit sprechen lässt.

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Was hat es mit den Pflanzen auf sich?

Pizza mit Nebenwirkung

Franz ärgert sich, dass die „Latzhosen-Fraktion da drüben“ das Geld im Schlaf verdient. Er wittert seine Chance, als der dubiose Mario (Thomas Berretta) ihn bittet, auf ein paar Pflanzen aufzupassen. Diese seien ein potenzsteigerndes Mittel eines Pharmakonzerns. Natürlich will Franz die Wirkung gleich mit seiner Erika ausprobieren, doch die hat schon wieder Migräne. Sein Freund und Pizzabäcker Giovanni (Marc Gutknecht) hat ebenfalls Probleme mit der „amore“. Das liegt allerdings weniger an seiner Frau Maria (Theresia Nagora), auch wenn aus den knackigen Äpfeln mittlerweile schlaffe Birnen geworden sind, als an ihm selbst: „Früher war er ein Ferrari, heute ist er nur noch ein rostiger Fiat.“ Mit der Wunderpflanze soll es besser werden und Giovanni setzt die „Pizza Potenzia“ gleich auf seine Speisekarte. Nichtsahnend, was er damit anrichtet.

Indes wird Franz nachdenklich. Er träumt schlecht von seinem gespritzten Gemüse und fängt an, nachts mit seinen Tomaten zu sprechen. Und auch die „ökologische Bohnenstange“ von nebenan hat ein Geheimnis. Kurioser wird es nur noch, als Übernachtungsgast Thorsten Sanftlebe (Andre Laurenzis), eine Tunte im rosa Hemd, auftaucht. Was es mit ihm und den seltsamen Pflanzen wirklich auf sich hat, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Weitere Aufführungen sind am 12. November um 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) in der Grundschulturnhalle Ergste sowie am 19. November um 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) und am 20. November um 16 Uhr (Einlass 14.30 Uhr mit Kaffee und Kuchen) in der Rohrmeisterei. Karten für acht Euro gibt es bei Krieter in Ergste, der Ruhrtal-Buchhandlung, Handarbeiten Mühr und beim Reisebüro Bluhm in Holzen.

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