Volksbühne Ergste – Nicht von allen guten Geistern verlassen!

Klasse: Britta Jentsch und Wolfgang Frank. Fotos: Ingo Rous

Ergste. Tote können mitunter quicklebendig sein. Vor allem, wenn sie Jack und Susie Cameron heißen und sich auf den Brettern bewegen, die für die Volksbühne Ergste die Welt bedeuten. „Gute Geister“ heißt das Lustspiel in vier Akten, das am Samstag Premiere feierte und zu einem Triumph für das Volkstheater wurde. Allerbeste Unterhaltung, viel Humor, eine Prise Situationskomik, die „glorreichen Sieben“ in Höchstform machten aus der Turnhalle an der Kirchstraße ein Tollhaus. Szenenapplaus und stellenweise stehende Ovationen am Ende machten klar: Mit der Auswahl und der Präsentation des Stückes haben die Volksbühne und ihr Spielleiter Werner Frank einen Volltreffer gelandet.

Der Stoff ist ein spannender. Denn niemand in der Halle weiß, ob es sich im richtigen Leben – äh, nach dem richtigen Tod nicht ähnlich abspielt wie auf der Bühne, wo der erfolgreiche Krimiautor Jack Cameron und seine Susi die guten Geister sind, die niemand sieht außer ein Schutzengel, die aber doch allgegenwärtig sind. Als bekennender Atheist blieb Jack nach einem Bootsunfall der Weg in den Himmel versperrt, und aus Solidarität mit dem Gatten ist auch Susie, ebenalls Bootsunfallopfer, gleich hier geblieben. Sie geistert mit Jack durch ihr altes Haus, beide haben es auf den Makler Mark Webster abgesehen, der ihr Refugium vermietet – zuletzt an den erfolglosen Autos Simon Willis, dessen schwangere Frau Flic und der damit auch Bekanntschaft macht mit Flics Mutter Marcia Bradshaw. Und wie!

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Der Eversbusch fehlt bei keiner Aufführung der Volksbühne.

Gegen Wahnsinn hilft nur Eversbusch

Denn Mark Webster steht alleine schon durch fliegende Engel und ebensolche Weihnachtsbaumkugeln so sehr am Rande des Wahnsinns, dass nur noch ein kräftiger Schluck Eversbusch (spielt in jedem Stück der Volksbühne seine Rolle!) hilft. Oder auch nicht. Denn jetzt fällt Marcia Bradshaw, gleichermaßen von Geisterhand gesteuert wie auch von allen guten Geistern verlassen über den Makler her. „Nehmen Sie mich!“, fordert sie Mark Webster auf und lässt für einen intensiven Moment erahnen, woher der Begriff Lustspiel kommt. Die Turbulenzen nehmen ihren Lauf, sehr zur Freude des Publikums, dessen Lacher nun in Salven kommen und das sich vor Freude auf die Schenkel schlägt. Es erlebt, wie Jack Cameron – aber nein, das muss ich ja an dieser Stelle gar nicht verraten. Es gibt ja noch drei weitere Aufführungen. Termin weiter hinten.

Britta Jentsch so gut wie nie

Es sind die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler, die aus dem Lustspiel das reinste Vergnügen machen. Britta Jentsch mimt die Susie Cameron und ist als Tote und als Geist so authentisch, dass ich mich zwischendurch bei der Frage ertappe, wie mir die Arzthelferin zuletzt Blut abzapfen konnte. Ehrlich, ihr Ergster Volksbühnen-Stammgäste: Britta Jentsch ist immer gut, wenn sie auf der Bühne steht, aber war sie jemals schon so gut wie am Samstag? In Werner Frank hat sie ihren kongenialen Partner. Beide Geister sind die Klammer für das Stück. Britta Jentsch und Werner Frank begeistern mit ihren „Szenen-einer-Ehe-Dialogen“ und geben sich im Gegensatz zu ihrem Zustand sehr, sehr lebendig. Nichts Aufgesetztes, nichts Überkandideltes, Menschen wie du und ich – oder besser, Geister, wie du und ich mal werden wollen. Christiane Berretta und Wolfgang Strauß sind die Willis, die Cobblers Cottage mieten – klasse dargestellt und vor allem im dritten Akt super gespielt, als sich die Dialoge der Camerons mit denen des jungen Paares kreuzen. Da wurde eine schwierige Szene flüssig gebracht. Hut ab!

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Lust aufs Spiel mit Mr. Webster: Dagmar Schulte.

Dagmar Schulte und ihr Lustspiel

Von Dagmar Schulte weiß man, dass irgendetwas passieren wird, wenn sie auf der Bühne steht. Als Mutter von Flic Willis ist sie zickig und etepetete, aber als sie sich Werner Jentsch alias Mark Webster wie von Geisterhand gesteuert an den Hals wirft, setzen auch diese beiden das Tüpfelchen aufs „i“ ihrer überzeugenden Darstellungen. Das alles hätte das Publikum so nicht erlebt, wenn nicht Schutzengel Laura Ulitzka den Camerons geistreich verraten hätte, wie Geister Menschen steuern können. Die junge Laura Ulitzka feierte ein sehr gutes, weil unbekümmertes und glasklares Debüt auf der Volksbühne.

Alles in allem: Note 1 mit Sternchen. Wer’s verpasst hat, sollte dieses Manko durch das Notieren nachfolgender Termine ausgleichen:

  • Zweite Vorstellung am 19. März um 19:30 Uhr (Einlass 18:30 Uhr) statt.
  • Weitere Aufführungen können am 02. April um 19:30 Uhr (Einlass 18:30 Uhr) und am 03. April um 16:00 Uhr (Einlass 14:30 Uhr mit Kaffee und Kuchen) in der Rohrmeisterei Schwerte besucht werden.
  • Der Vorverkauf: Krieter in Ergste, Ruhrtal-Buchhandlung, Handarbeiten Mühr, Reisebüro Bluhm sowie Gaststätte Haus Pelzing in Berchum.
  • Kartenreservierungen können auch über das Reservierungsformular auf der Internetseite der Volksbühne Ergste http://www.volksbuehne-ergste.de sowie telefonisch unter 0231/4751233 vorgenommen werden.

Bitte beachten Sie auch unsere Diashow mit Impressionen der Aufführung.

 

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