Weibsbilderabend: Ein Leben mit und für Kinder

Schwerte. Kinder im Besonderen und deren Betreuung und Erziehung im weiteren Sinne waren das Thema beim Weibsbilderabend am Dienstag in der Rohrmeisterei. Veranstaltet wird die Reihe von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schwerte, Birgit Wippermann, und der Rohrmeistereistiftung. Begleitet wird das Programm von einem Fünf-Gänge-Menü aus der Rohrmeistereiküche.

Luobean Darraz (Köchin), Gudrun Körber (AG Frauen), Samuel Santos (Rohrmeisterei Service), Helga Hübner (AG Frauen), Birgit Wippermann, Inge Franzen, Suzanne Bohn und Serkan Saricicek (Koch) sorgten für einen vergnüglichen Weibsbilderabend (v.li.).

Die gebürtige Französin Suzanne Bohn, die schon einige Male zu Gast beim Weibsbilderabend war, und die Gäste mit interessanten biografischen Erzählungen bemerkenswerter Franzosen unterhielt, begeisterte das weibliche Publikum mit der Entdeckung der Kinderärztin Francoise Dolto (1908-1988). Eine Frau, die als Kinderpsychoanalytikerin die Gesellschaft im 20. Jahrhundert revolutionierte.

Francois Dolto ist auch in Deutschland eine der anerkanntesten und populärsten Autorinnen auf dem Gebiet der Kinderpsychologie und Kindertherapie. Sie war unermüdliche Streiterin für die Sache der Kinder. Ihr Ansatz: „Hört den Kindern zu. Nehmt ihre Wünsche ernst.“ Die Kinder wurden von ihr als eigenständige Subjekte mit Rechten und Pflichten behandelt. Alles ist Sprache, war ihr Motto. Schon als Baby kommuniziert das Kind in Symbolsprache, ist ihre Theorie. Die Missverständnisse in der Kommunikation früh erkennen, den Körperausdruck zu verstehen, war Doltos therapeutisches und pädagogisches Anliegen.

Francoise Dolto galt als anormal

Bereits mit acht Jahren verkündete Francoise Dolto: „Wenn ich groß bin, werde ich Erziehungsarzt.“ Geboren als viertes von sieben Kindern der wohlhabenden Familie Marette, hatte sie es nicht leicht. Nicht gerade hübsch, klein und pummelig –im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester Jaqueline, die groß, blond und hübsch war, stand sie zeitlebens in deren Schatten. Von Kind an galt sie in ihrer Familie als anormal. Als Jaqueline mit 18 Jahren an Knochenkrebs starb, musste Francoise in deren Kleidung herumlaufen und der traumatisierten Mutter „als Ohr für deren Trauer herhalten“. „Das waren meine ersten Therapiestunden als 13-Jährige“, sagt sie später.

Gegen den Willen der Eltern machte Francoise Dolto ihr Abitur und studierte Medizin. Arbeitete als Psychoanalytikerin für Erwachsene, da es zu der Zeit den Beruf der Kinderpsychoanalytikerin noch nicht gab, ging in Krankenhäuser auf die Kinderstationen um dort die kleinen Patienten mit ihren Neurosen und Psychosen zu behandeln. Nicht mit Medikamenten, mit Sprache und Bildern.

Francoise Dolto heiratete 1942 Dr. Boris Doltovitch, aus ihrer glücklichen Ehe gingen drei Kinder hervor, er ging fremd, sie hat das toleriert. „Streit, Geiz, Karrieregeilheit, Neid, ist für mich Zeitverschwendung“, soll sie gesagt haben. Auch beruflich war es nicht leicht für sie. Aller Intrigen zum Trotz, ging sie ihren Weg. Sie achtete mehr auf ihre Intuition, als auf die Wissenschaft. Aus diesem Grund sei sie bis zu ihrem Tod 1988 umstritten gewesen.

Suzanne Bohn brachte Francoise Dolto dem Publikum informativ, leicht und humorvoll dem Publikum näher. Eine Zuhörerin brachte es auf den Punkt: „Faszinierend, wie Suzanne Bohn es schafft, über einen Menschen, den man nicht kennt so zu sprechen, dass man hinterher meint, man hätte ihn gekannt.“

„Die Kinder haben Freiheit, aber mit Struktur verbunden“

Die Frau der Gegenwart, Inge Franzen, Leiterin des DRK-Kinderhortes, erzählte Interessantes über die Kindertagesstätte, die mehr als hundert Jahren in Schwerte verwurzelt ist und 1993 im Luise-Elias-Zentrum im Westenort beheimatet ist. 40 Kinder, zwischen sechs und 14 Jahren, aller Schulformen, unterschiedlicher Nationalitäten und kulturellen Biografien werden dort nach der Schule betreut.

„Kinder sind für mich, egal in welchem Alter, hochfaszinierend“, sagt die Leiterin der DRK-Kinderhortes Inge Franzen.

Vertrauen, Verlässlichkeit und Kontinuität zeichnen die Arbeit des DRK-Kinderhorts aus. Die Kinder werden aktiv in die Gestaltung des Alltags einbezogen und so dazu ermutigt, Eigeninitiative und Selbstständigkeit zu entwickeln. Seit dem Umzug dürfen die Kinder den benachbarten Spielplatz an der Ruhrstraße nutzen, „sie können auch in die Stadt gehen, um beispielsweise ein Heft zu kaufen.“ Alles natürlich nach vorheriger Zustimmung der Eltern. „Die Kinder haben Freiheit, aber mit Struktur verbunden. Rituale und Rhythmen sind wichtig.“ Die Strukturen würden nicht an die Kinder angepasst, sondern umgekehrt. Verlässlichkeit sei ein wichtiges Thema.

Sieben Festangestellte, unterstützt von Ehrenamtlichen, kümmern sich in vielfältige Weise um die Kinder. Zu dem gemeinsamen Essen, werden Theater-Projekte, verschiedene Arbeitsgemeinschaften, wie Basteln, Malen oder Fitness, angeboten. Einige davon von den Kindern vorgeschlagen und umgesetzt. Mit den Müttern werde gemeinsam gekocht und anschließend geplaudert. Auch werden bei Bedarf Eltern zu Schulsprechtagen begleitet. Regelmäßig werden die DRK-Hort-Mitarbeiter fortgebildet. Dazu gehören Supervision und auch heilpädagogische Fortbildung: „Das brauchen wir auch, wir arbeiten inklusiv“, so Ingo Franzen.

„Unsere Einrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass viel gelacht wird. Für die Zukunft wünsche ich mir weiterhin eine gute Vernetzung und dass wir noch viele Projekte insbesondere  in der Freizeit mit den Kindern durchführen können. Dafür brauchen wir allerdings Sponsoren, die die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.“

 

Print Friendly, PDF & Email

Kommentare

Über den Autor