Wenn ein Flügel Besitz ergreift von einem ganzen Saal: eine Sternstunde am Bösendorfer

Schwerte. Wenn ein Instrument Besitz ergreift von einem ganzen Saal, dann ist das eine Sternstunde am Bösendorfer. Ji-Yeoun You eröffnete die Reihe der Gemeinschaftsproduktion von Konzertgesellschaft und Rohrmeisterei, lockte am Karnevalswochenende 150 Menschen in die Halle 3 der Rohrmeisterei – ein guter Start mit einer jungen,  filigran und technisch stark aufspielenden Künstlerin, die Musik von Schubert, Bach und Beethoven diszipliniert ins Publikum transportierte. Das lauschte mit andächtigem Staunen und entließ die renommierte Musikerin erst nach einer Zugabe.


Mit der Chaconne in d-moll von Johann Sebastian Bach begann Ji-Yeoun You ihr Konzert und präsentierte dabei den Komponisten Ferruccio Busoni, der das Bach’sche Ausnahmewerk auf das Klavier übertragen hatte und so einen Klaviersatz schuf, der „die Möglichkeiten des modernen Flügels kongenial ausreizt“, erfährt man auf der Homepage des G. Henle Verlags. Die Koreanerin nutzte die ganze Bandbreite ihres Instrmentes gekonnt.

Ji-Yeoun You und die Gefühlswelten

Sie ließ dann Moments Musicaux von Franz Schubert folgen, ein Werk, in dem die technischen Anforderungen an die Pianistin eher als gering gelten. Allerdings gefiel Ji-Yeoun You durch ihre Virtuosität, die nötig ist, um die Vielfalt anklingender Gefühlswelten zu interpretieren.

Die Klaviersonate 32 (op. 111), die letzte Sonate, die Ludwig van Beethoven komponiert hat, prägte den zweiten Teil des Konzerts der Koreanerin. 30 Minuten dauern die beiden Sätze dieser Sonate, 30 Minuten höchster Konzentration und Leidenschaft, die sich stellenweise im körperlichen Einsatz der Pianistin spiegelte. Übrigens: Mehr als ein Jahrundert nach ihrer Komposition hat es die Sonate zu Berühmtheit gebracht. Das ist nicht zuletzt das Verdienst Thomas Manns, der ihr in seinem vor 60 Jahren erschienenen Roman „Doktor Faustus“ ein Denkmal weltliterarischen Formats gesetzt hat.

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert: Am 22. Februar gastiert das „Berlin Piano Trio“ in der Rohrmeisterei. Beginn ist an diesem Donnerstag um 19.30 Uhr (Einlass 18.45 Uhr).

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