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Enttäuschung in der Elternschaft: Umzug der Grundschule Ergste quasi schon beschlossene Sache

Elternproteste begleiteten am Mittwoch die Sitzung des Schulausschusses.

Schwerte. Enttäuscht machten sich am Mittwochabend Eltern von Ergster Grundschulkindern wieder auf den Weg nach Hause. Zwar hatte der Ausschuss für Schule und Sport (ASS) in seiner Sitzung in der Aula des Ruhrtalgymnasiums durch das Patt in der Abstimmung keine Entscheidung über die geplante Verlagerung der Schule zum Derkmannsstück fällen können, aber angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Rat ist klar: Die Grundschule Ergste wird ihren Standort in der Kirchstraße verlassen müssen.

CDU und Grüne werden gemeinsam mit FDP-Ratsfrau Renate Goeke für die Verlagerung stimmen und dabei zwei Stimmen mehr aufbieten können als SPD, Linke und WfS, die eine Verlagerung ablehnen. Die Schule an der Ruhr sei für die Unterbringung einer Grundschule nicht geeignet, unterstrich die SPD-Vorsitzende Angelika Schröder erneut die Ansicht der Sozialdemokraten. Sinnvoller könnte sie als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet werden und nahm damit Bezug auf einen entsprechenden Antrag, den die SPD gestellt hatte (der Blickwinkel berichtete). „Wir dürfen keine einzige Turnhalle mehr in Anspruch nehmen, eher eine weniger“, sagte Angelika Schröder.

Elternwillen wird mit Füßen getreten

Unterstützung bekam sie von Mechthild Kayser (Die Linken). Auch sie sieht die Schule an der Ruhr als ungeeignet an und verwies auf den Elternwillen, der sich nach einer grundschulinternen Umfrage manifestiert. 87 Prozent der befragten Eltern hatten sich für einen Verbleib in der Kirchstraße ausgesprochen. „Der Elternwille wird doch mit Füßen getreten“, so Mechthild Kayser. Für den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU, Hans-Georg Rehage, ist die Umfrage übrigens ohne Aussagekraft, weil sie anonym erfolgt ist. Zudem habe er in einem persönlichen Gespräch erfahren, dass sich auch zwei Großeltern an der Umfrage beteiligt hätten – Freunde hat er sich damit im Kreis der Zuhörer nicht gemacht.

Todesurteil für Grundschule Villigst

Werner Rosener (WfS) sieht im Umzug zum Derkmannsstück sogar „das Todesurteil für die Grundschule Villigst“. Auch Angelika Schröder glaubt, dass Villigst zum Derkmannsstück folgen wird und erinnerte an den 2011 gefassten politischen Konsens „kurze Beine, kurze Wege“. Die Befürchtung eines Standortwechsels hat Bea Klein, Leiterin der Villigster Schule, allerdings nicht. Im Gespräch mit dem Blickwinkel gab sie sich sehr optimistisch, dass der Standort in Villigst erhalten bleibt. „Wir werden dafür weiterhin gut und qualifiziert arbeiten“, so Bea Klein. Schließlich kann sie sich ja auch auf eine Aussage des für Schulfragen zuständigen Ersten Beigeordneten Hans-Georg Winkler berufen, der auf der Informationsveranstaltung in Ergste Ende vergangenen Jahre unterstrichen hatte, dass am Standort Villigst nicht gerüttelt werde, solange die Zahl der Anmeldungen für eine Einzügigkeit ausreichend ist. Zudem zeichnen sich höhere Geburtenraten und eine erhöhte Aufnahme von Flüchtlingskindern ab.

Gaststätte, Tagescafé, Wohlfühloase

Auch die Grünen sehen keine Risiken für die Grundschule Villigst, wie Bruno Heinz-Fischer betonte. Die CDU sieht in der Verlagerung der Ergster Grundschule eine Chance für eine Ergster Mitte. Von einer Gaststätte ist die Rede, von einem Tagescafé und einem Generationenhaus, von einer Wohlfühloase. Hans-Georg Rehage hatte das und weitere Gründe für eine Verlagerung in einer sehr langen Rede herausgestrichen und dabei im Wesentliche die Punkte beschrieben, die die CDU im Vorfeld der Sitzung in einer Medieninformation zusammengefasst hatte.

Jetzt wird der Rat in seiner Sondersitzung am Montag (18 Uhr Aula Ruhrtalgymnasium) die Entscheidung fällen. CDU, FDP und Grüne kommen auf 20 Stimmen, SPD, WfS und Linke auf 18.

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Comments

  • Reinhard Raith 20. Februar 2016 at 7:23

    Hallo Hans-Werner,

    Du hast mir aus der Seele gesprochen.

    Reply
  • Brandes Hans-Werner 18. Februar 2016 at 15:05

    Lieb Mitarbeiter des Blickwinkel,

    zuerst einmal vielen Dank für Ihre schnelle und Informative Berichterstattung zum Thema
    „Umzug der Grundschule Ergste“
    Ich bringe in Erinnerung, was sich im Jahre 2012 in Ergste abgespielt hat.
    Bürgerbegehren für Einkaufszentrum in Ergste:
    So stand es in der Info von:
    Mehr Demokratie e.V. NRW | Friedrich-Ebert-Ufer 52 | 51143 Köln-Porz | Tel. 02203 – 592859 | nrw@mehr-demokratie.de

    Aktuelles/Ergebnis: In Schwerte-Ergste wollte ein Investor 2012 einen etwa 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassenden Lidl-Markt und einen rund 1.500 Quadratmeter großen Edeka auf dem Himmelmannschen Feld errichten. Zusätzlich sollten dort 25 barrierefreie Wohnungen mit angebundenem Café oder Eiscafé entstehen. –
    See more at: https://nrw.mehr-demokratie.de/schwerte.html#sthash.HCzTrx1Y.dpuf
    Die Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren hatte am 30. Juni 2012 begonnen. Bis zum 28. Februar 2013 hatten die Initiatoren 3.452 gültige Unterschriften hierfür bei der Stadt eingereicht. Der Stadtrat hatte das Begehren am 6. März 2013 abgelehnt.

    Im Bürgerentscheid am 26. Mai 2013 fand das Bürgerbegehren keine Mehrheit. 54,3 Prozent der Abstimmenden votierten gegen ein Nahversorgungszentrum auf dem Himmelmannschen Feld. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 16,2 Prozent.
    – See more at: https://nrw.mehr-demokratie.de/schwerte.html#sthash.HCzTrx1Y.dpuf

    Die Kosten dieses Bürgerbegehrens trug die nicht ganz so reiche Stadt Schwerte.

    Nun also will Herr Rehage ein Café oder Eiscafé und eine Begegnungsstätte auf andere Weise im Schwerter Ortsteil Ergste installieren. Mal wieder gegen den Willen der befragten Eltern und vielleicht auch ein paar Großeltern! Welchen Investor werden sie, Herr Rehage, uns dann präsentieren. Welcher Lobbyist wird es sein, der sie dann in allen Belangen unterstützen wird?

    Wie wäre es auch hier mit einer Bürgerbefragung Herr Rehage. Sie wollen ja alles nur zum Wohle der Ergster Bürger. Und Kosten spielen ja bei ihren Träumereien, siehe Einkaufscentrum, keine Rolle.

    „Kurze Beine, kurze Wege“! Im Winkel, an den Thunbüschen, Im Wietloh, jeweils rund 2,1 km gleich ca. 25 Minuten Schulweg für ein Grundschulkind. Ist das Ihr Verständnis Herr Rehage für kurze Wege für Kinder im Alter von 6 – 10 Jahren.

    Wenn der Rat sich dann gegen den Verbleib der Grundschule in der Kirchstraße entscheidet, dank ihres unermüdlichen Einsatzes als Ergster, können wir als mündige Bürger sie nur bei der nächsten Gemeindewahl „belohnen“.

    Sie wollen die Wünsche und Anliegen von Beteiligten als deren gewählter Vertreter einfach nicht wahr haben. Eine solche Politik führt zu Politikverdrossenheit, die leider in unserem Land immer stärker um sich greift.

    Als kostenbewußter Ergster Bürger möchte ich der Stadt Schwerte (sie trug damals die Kosten) ein weiteres Bürgerbegehren ersparen. Ich konnte ja nun gerade in der ZEIT vom 11.02.2016 lesen, wie schwer es unser Bürgermeister hat.
    Mit freundlichem Gruß
    Hans-Werner Brandes

    Reply
  • Reinhard Streibel 18. Februar 2016 at 13:39

    Auch mir ist Elternwille wichtig und trotzdem gehöre ich zu denen, die für den Umzug der Grundschule Ergste zum Derkmannstück sind! Viele gute Argumente sind bereits genannt. Einen weiteren Aspekt möchte ich hinzufügen: die Alternative zum Umzug wäre die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum für Flüchtlinge. Und bei der Größe des Gebäudes am Derkmannstück können dort locker 300/400 Menschen unterkommen. Keiner würde eine so große Einrichtung an diesem Standort wollen. Ganz schnell gäbe es Unterschriftensammlungen, die ein mindestens so eindeutiges Votum wie die Elternbefragung bei der Grundschule ergäben. Das heißt aber für mich, Elternwille wahrnehmen aber trotzdem weiter denken, abwägen und gemeinwohlorientiert entscheiden! So wie meine grüne Kollegin Andrea Hosang das in einem anderen Kommentar bereits ausgeführt hat!

    Reply

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