Flüchtlinge präsentieren „ihr“ Schwerte: Fotoausstellung im Ruhrtalmuseum

Insgesamt 18 Neuschwerter präsentieren mittels Handyfotos ihre Sicht auf die Ruhrstadt. Fotos: Nadine Przystow

Schwerte. 18 jugendliche Flüchtlinge haben im Rahmen des Jump Across-Projekts von Faktor Ruhr eine ganz besondere Fotoausstellung gestaltet. In den vergangenen zwei Monaten hielten sie mit ihren Handykameras ihre Eindrücke von der Ruhrstadt fest und präsentierten sie am Freitag im Ruhrtalmuseum stolz der Öffentlichkeit – da musste selbst mancher Altschwerter zweimal hinschauen, um das Motiv genau einzuordnen.

Es war Peter Blazsovszky vom Verein für soziale Integration (VSI), der sich vor einiger Zeit die Frage stellte, wie die neuen Mitbürger eigentlich „unsere“ Stadt sehen bzw. erleben. Warum sie nicht ganz einfach selbst um Antworten bitten? Das tat der gut vernetzte Schwerter Genschback und trug seine Idee in die einzelnen Unterkünfte. Für die Flüchtlinge, hauptsächlich junge alleinstehende Männer, war die Aktion einmal mehr eine willkommene Abwechslung. Sie fotografierten Denkmäler, das Rathaus, Festlichkeiten, Natur oder St. Viktor aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die Besucher konnten die Bilder mit Klebepunkten bewerten.

Den eigenen Blickwinkel ändern

Und genau darum ging es: „Perspektivverschiebung“ nannte die VSI-Vorsitzende Andrea Hosang den Effekt, der sich bei der fest verwurzelten Bevölkerung durch die Aufnahmen einstellen kann. „Menschen aus fremden Ländern sind eine Bereicherung. Sie helfen, unseren Blick auf die Dinge zu verändern“, betonte sie in ihren Begrüßungsworten.

Als einen weiteren „Höhepunkt“ auf dem Weg der Integration bezeichnete Dr. Christine Mast, Leiterin des Kultur- und Weiterbildungsbetriebs, das Projekt. Auch das Team des Ruhrtalmuseums um John Loftus ging die Kooperation mit dem VSI sofort ein. Der historische und zentrale Ausstellungsort hat für Peter Blazsovszky vor allem eine symbolische Bedeutung: „Diese jungen Menschen möchten in der Mitte unserer Gesellschaft angenommen werden, wo geht das besser als in Schwertes kultureller Mitte?“

Bild vom Hengsteysee überzeugte

Süleyman Mohammed gewann den Wettbewerb mit seinem Foto vom Hengsteysee.

Zwar wurde jeder Teilnehmer mit einer aufgeladenen Handykarte belohnt, um mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, die Ausstellungsgäste hatten allerdings die Möglichkeit, ihre drei Favoriten zu wählen. Den ersten Platz machte Süleyman Mohammed aus Syrien (Platz 2 und 3 an Süleiman Alshandin und Said Alahmab Alkahman). Während einer Bootstour fotografierte er vom Hengsteysee aus den Mäuseturm zwischen Hagen und Schwerte. „Ich mag Natur und immer wenn ich etwas Schönes sehe, mache ich Fotos“, erzählt der 25-Jährige. Hier in Schwerte ist er viel mit dem Fahrrad unterwegs, an der Ruhr war er natürlich auch schon. Mohammed wohnt mit seinen beiden jüngeren Brüdern Hosseyin (23) und Mohamad (15) in der Messingstraße, seine Eltern sind noch in der Türkei. Bis sie sich wiedersehen, wird er ihnen noch viele Bilder von seiner neuen Heimat schicken.

Wer die Eröffnung verpasst hat, hat noch in den nächsten vier Wochen die Gelegenheit, sich innerhalb der Öffnungszeiten des Ruhrtalmuseums selbst einen Eindruck zu machen.

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