Fotograf Ulrich Brinker: Auf du und du mit Blässhuhn, Eisvogel und Reiherente

Westhofen. Der Eisvogel sitzt auf einem Zweig. Er ist herrlich anzusehen mit seinem blauen Gefieder. Jede Feder ist erkennbar auf diesem gestochen scharfen Foto. Der Eisvogel hat Ulrich Brinker fest im Blick. Ulrich Brinker den Eisvogel aber auch. Im Visier seiner Kamera, vorne vor ein 400mm-Objektiv. „Man muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein“, sagt der Westhofener. Das ist der Hobbyfotograf scheinbar häufiger. Seine Fotografien von Tieren, speziell von Vögeln, sind spektakulär. Und das Ergebnis großer Geduld. „Fünf Stunden können schon fünf Minuten zu wenig sein“, erklärt er. Soll heißen: Die Kamera ist gerade eingepackt, da landet das Motiv, auf das Fotografen oft so lange warten.

Echte Hingucker

Ulrich Brinker, 68 Jahre alt, hat oft lange genug gewartet. Er nennt Tausende von Bildern sein eigen. Echte Hingucker sind dabei, Bilder, die emotionalisieren. Auch zu unserem Gespräch hat er seine Kamera mitgebracht. Wir stehen vor den Röllingwiesen in Westhofen, die, mittlerweile überflutet, zu einem Paradies für Vögel geworden sind. „Im vergangenen Jahr hatten wir sogar einen Fischadler hier“, berichtet er. Klar, dass er ihn auf seine Speicherkarte gebannt hat. 136 Vogelarten sind an dieser Stelle in den letzten Jahren dokumentiert worden. „Ich wusste gar nicht, dass es so viele Vögel hier gibt“, gesteht Ulrich Brinker. „Aber ich bin ja auch nicht der große Ornithologe, ich bin mehr der Fotograf“, fügt er fast entschuldigend hinzu. Dabei weiß er weitaus mehr als ich. „Das da hinten sind Reiherenten“, zeigt er auf einen prächtigen Erpel nebst Frau. Und als sich zwei Federviecher beharken, sagt Ulrich Brinker beinahe beiläufig: „Blässhühner. Die sind immer so angriffslustig“.

Engagement für die HSG

Ulrich Brinker hat nicht immer in Westhofen gelebt. Er wurde in Mennighüffen in Ostwestfalen geboren und war ein Jahr alt, als er mit seinen Eltern nach Hohenlimburg zog. Dort erlebte er seine Schulzeit, lernte dort seinen Beruf: Techniker für Blechverarbeitung. Der hat ihn viel ins Ausland geführt. Ulrich Brinker war aktiver Handballer, hat für den SV Hohenlimburg 10 gespielt und für den TuS Oege. Als er nach Westhofen zog, hat er sich für die HSG Schwerte/Westhofen engagiert. „Wenn Not am Mann war, habe ich auch mal den Hallensprecher gemacht“, blickt er zurück auf eine erfolgreiche Zeit im Schwerter Handball. Ulrich Brinker ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist mittlerweile dreifacher Großvater. „Alles prächtige Mädchen“, nickt er anerkennend.

Heimatkundlich unterwegs

Ulrich Brinker auf der Pirsch.

Aber Ulrich Brinker ist nicht nur Techniker und Sportler. Als er mit seiner Familie nach Westhofen kam, hat er hier schnell Wurzeln geschlagen. Und weil ihn seine Umgebung interessierte, war er rasch heimatkundlich unterwegs. Lange Jahre war er im Vorstand des Heimatvereins tätig. Er hat zudem die Kirchenbücher aus den Jahren 1680 bis 1905 digitalisiert – 2740 Seiten. Er hat bisher über 15000 Namen aus der Zeit von 1680 bis 1858 in einem Ahnenprogramm erfasst und hat auch privat Ahnenforschung betrieben, die ihn bis ins Jahr 1750 zurückführte. „Das ist auch mein Hobby“, sagt er. Und er hat sich in den Westhofener Nachbarschaften engagiert, war 18 Jahre Schräpper in der Niedersten Nachbarschaft, wo er auch Üöwerrichter war. Das ist Plattdeutsch und versteht nicht jeder, muss aber ein ziemlich hohes Tier gewesen sein. „Mit 65 habe ich meine Ehrenämter abgegeben“, berichtet Ulrich Brinker. Er ist aber noch Mitglied im Heimatverein, ist Administrator der Gruppe Reichshof Westhofen auf Facebook und er ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz (AGON) – „weil mir Naturschutz am Herzen liegt“.

Im Ruhrverband-Kalender

Und er bleibt der Fotograf. Ein großer Fotograf, der es am liebsten hat, wenn Piepmätze und andere Tiere nicht weiter als zehn Meter von seinem 400mm-Objektiv Platz nehmen – „die ideale Entfernung“, sagt er. Und dann kommen eben spektakuläre Aufnahmen zustande. So wie die, die er auf einer „birding tour“ in Florida gemacht hat. Sonst setzt er für seine Bilder lokale Schwerpunkte. Wie die Röllingwiese. Oder die Lennemündung am Hengsteysee. Will er denn nicht mal eine Ausstellung machen? Nein, das ist scheinbar nicht sein Ding, ein Power Point Vortrag allerdings schon. Aber seine Kunst wird verewigt werden im nächsten Kalender, den der Ruhrverband alljährlich herausbringt und dafür Menschen aus der Region aufruft, Bilder einzureichen. Eine seiner Aufnahmen hat es geschafft: ein Sonnenaufgang an der Ruhr in Westhofen, als es bitterkalt und die Ruhr zugefroren war. „Das sind Farben auf dem Bild, die nicht in Photoshop nachgearbeitet wurden“, versichert Ulrich Brinker. Dieses Bild habe die Natur ganz alleine gemalt. „Man muss eben im richtigen Moment an der richtigen Stelle stehen“. Da hat er recht, der Ulrich Brinker.

Als das Gespräch stattfand, klagte Ulrich Brinker schon über Schmerzen an der Achillessehne. Jetzt ist diese am Freitagvormittag gerissen. An dieser Stelle baldige Genesung!

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