Schwerte. „Frau Höpker bittet zum Gesang“ – und rund 350 sangesfreudige Menschen, hauptsächlich Frauen, kamen der Bitte nach. Und es wurde ein stimmen- und stimmungsgewaltiger Abend, der jedem sicherlich lange im Gedächtnis bleiben wird.
Zum gemeinsamen Frühlingsempfang hatten die LandFrauenkreisverbände Ruhr-Lippe/Märkischer-Kreis/Ennepe-Ruhr/Hagen in die Rohrmeisterei eingeladen. Der Abend stand unter dem Motto „Stimmgewaltig. Mitbestimmend. Mittendrin.“, die Devise der Aktionstage 2017, für die die LandFrauen bundesweit stehen. Und das Motto war Programm.
Katrin Höpkers Ruf eilt ihr voraus und ihre Fangemeinde ist groß – auch in Schwerte. Die Kölner Sängerin, Pianistin, Entertainerin und Erfinderin der Mitsingkonzerte unter dem Titel „Frau Höpker bittet zum Gesang“, die von ihr 2008 ins Leben gerufen wurden, hatte ein Riesenrepertoire an Hits, Evergreens, Volksliedern, Gassenhauern, beinahe vergessene Songs im Gepäck. Ganz in weiß gekleidet stand sie an ihrem Keyboard, sang und spielte live. Das Publikum bekam die Gesangtexte via Beamer an die Bühnenwand projiziert.
„Greifen Sie beherzt zu“
„Ich möchte, dass alle beseelt und gut gelaunt nach Hause gehen, und dass sie zum Schluss sagen: Frau Höpker, ich bin dermaßen in Wallung geraten“, sagte sie zur Begrüßung. Und legte los mit Reinhard Meys sicherlich bekanntestem Lied „Über den Wolken“. Katrin Höpker hatte einmal in einem Interview gesagt, dass „die Westfalen eine längere Aufwärmzeit als die Kölner“ benötigten – aber nicht so in Schwerte. Es wurde nichts einstudiert. Frau Höpker stimmte an und die Gäste stimmten gewaltig vom ersten Ton an mit ein. Sie kriegte sie alle, ging auf ihr Publikum ein, denn sie scheint einen Draht zu den Emotionen und Stimmungen der Menschen vor der Bühne zu haben – und reagiert spontan darauf.
Der Frühling wurde mit einem Medley aus „Alle Vögel sind schon da“ und „Veronica, der Lenz ist da“ begrüßt, und spätestens bei Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“ standen (fast) alle und bewegten sich rhythmisch zu der Musik. „Jetzt kommt der Walzertakt. Was macht man da“ fragte sie. Na was wohl? Schunkeln natürlich. „Greifen Sie beherzt zu“, forderte Frau Höpker auf. Und alle folgten der Aufforderung zu „Tulpen aus Amsterdam“.
„Ich will sie alle glücklich sehen“
Katrin Höpkers Tempo war gewaltig. Ob die Gitte einen Cowboy als Mann wollte, Trude Herr keine Schokolade oder sich France Gall „ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte“ als Mann wünschte – mit Verve ging es durch viele Genres der Musik. „Achten Sie mal auf die Texte, die sind ungeheuerlich“, warf sie zwischendurch ein. Auch erzählte Frau Höpker hier und da eine Geschichte zu einigen Liedern. Wie zu „Oh mein Papa“, ein Lied aus der Revueoperette „Der schwarze Hecht“, die 1939 in Zürich aufgeführt wurde. „Oh mein Papa wurde in den 1950er Jahren ein Riesenhit. Gesungen wurde er von der Schweizerin Lys Assia, die dadurch große Berühmtheit erlangte.“
Katrin Höpker traf den Nerv des Publikums. Foto: Christel R. Radix
„Ich habe gerade in ein Gesicht geschaut und die Dame hat wohl gedacht: Was soll der alte Kram? Das Programm ist nicht festgetackert. Ich will sie alle glücklich sehen.“ Und der Riesenchor in der Rohrmeistereihalle sang aus voller Kehle „Take me home country roads“. Ob Nena, Zarah Leander, Max Giesinger, Zarah Leander, ob Englisch oder Deutsch, Erinnerungen wurden wach und für die Texte war ja gesorgt.
„Ich bin ganz begeistert. Ich kann zwar nicht Singen, aber hier hört es keiner. Die schiefen Töne gehen unter. Es macht riesigen Spaß“, freute sich eine Zuschauerin, die eigens aus Bochum angereist war. Mehr als zwei Stunden exklusive Pause wurde gemeinschaftlich gesungen und geschunkelt. Es war ein Abend für das Herz und die Seele.
In der Pause stärkten sich die Sangesfreudigen am Buffet. Foto: Christel R. Radix













