Helge und das Udo auf dem Arm: Es durfte gelacht werden. Fotos: Ingo Rous
Schwerte. Wenn ein Schwabe und ein Norddeutscher zusammen auf der Bühne stehen, dann prallen Mentalitäten aufeinander. Gut, wenn dann die pure schlichte Bühne und das angepasste Outfit in Schwarz für etwas Beruhigung sorgt. Der Kleinkunstabend in der Rohrmeisterei wurde so zu einem kindlich-naiven Spiel mit Freude am Reime-zu-werfen. Das Duo verzichtete bei seinem Programm „Ohne erkennbare Mängel“ auf politische Schärfe und entschied sich für die kreative Entwicklung von launig-kurzen Spielszenen mit fulminanter Publikumsbeteiligung.
Wer einen Auftritt von Helge und das Udo beschreiben möchte, denkt womöglich an einen launigen Kindergeburtstag für Große. Da gibt es Mitmach-Übungen und Tieranimationen, da gibt es Schüttelreim und Anagramme. Und während die homoerotisch angehauchte Gazelle, gespielt von „das“ Udo, dem menschlichen Wundersack voller Gestik und Mimik, noch über die Bühne springt, sichert sich Helge noch schnell den Platz ganz vorne am Bühnenrand. Die Rollenverteilung ist schon gleich zu Beginn klar gesetzt und wird konsequent durchgehalten. „Manche werfen uns ja vor wir hätten keine Dramaturgie,“ weist der Entertainer auf vermeintliche Schwächen hin.
Schüttelreim am Tatort: Dieser tote Moppel dort zählt sogleich als Doppelmord.
Die schlichte Logik eines pointierten Witzes
Das lässt sich im Verlaufe des Abends aber nicht bestätigen, auch wenn die in sich geschlossenen Spiel- und Wortszenen im Einzel funktionieren, es findet sich doch immer die schlichte Logik eines pointierten Witzes und am Ende schließt sich der Kreis bei der Mitarbeit des Publikums. Das wird bei den beiden unterschiedlichen Herren stets mit einbezogen, sei es mal ganz aktiv beim Suchen nach schicken SMS-Nachrichten zur fröhlichen Verwertung, oder sei es im Stillen beim Kopfkino, das so mache Spieldialoge schon vorweg nimmt. Das kommt an, funktioniert und sorgt für Applaus und gute Laune beim vorletzten Abend der Kleinkunstreihe in der Schwerter Rohrmeisterei.
Helge Thun und Udo Zepezauer sind das Duo und scheuen sich weder vor einem Griff nach der Jugendkultur im Crepe-Rap noch vor einer Mafiaparodie mit Spiegelbrille und finaler Schussszene. Und wenn später der Nervenzusammenbruch a la Loriot vor dem Gemüseregal zum Blutrausch wird, dann schwappt die Spielfreude auch auf das Publikum über und es wird noch einmal gerne mitgespielt.
Den Abschluss der 60. Schwerter Kleinkunstwochen macht am 19. Mai der Schauspieler und Tatort-Kommissar Axel Prahl mit einem Musikprogramm und Band.
