Wo Rilke auf Leonard Cohen trifft: LoCanta im Romantikrausch

Isabell Glotz bringt Mascha Kaleko zu Gehör.

Nora Schöpe hinter Rosen

Von Andrea Reinecke

Schwerte. Muscheln im Vorprogramm und Lyrik als Hauptgericht: Bereits in der sechsten Runde finden sich Mitglieder des Ensemble Theater am Fluss in der Gastronomie am Marktplatz ein. An den Tischen Liebespaare und Freunde, zufällige Gäste und Romantikfans. Vor der Tür treffen sich wie immer die Raucher zum Plausch, eingemummelt in dicke Jacken und Decken. Es ist kurz nach 20 Uhr am Abend, die ersten Teller sind geleert, die Tische nahezu voll besetzt und der Abend startet mit einer Rezitation am Tresen. Isabell Glotz bringt Mascha Kaleko zu Gehör.

Verteilt im Raum und ohne Mikro bringen die Künstler Lieder und Texte an die Tische und konzentrieren sich dabei nicht ausschließlich an einer Stimmungslage. Mit dabei die guten alten Bekannten der Liebeslyrik, aber auch Material aus jüngster Zeit. Der berühmte Privatier Goethe, bekannterweise hat er sein Herz und Hirn nicht nur einer Dame geschenkt, wechselt sich mit Wolfgang Borchert ab. Lieder und Lyrik kommen in drei, O-Ton Intendant, „knackigen“ Sets und zwischenzeitlich bleibt genug Zeit, die kulinarischen Genüsse nachzuordern.

Mal ergänzen sich die Rezitatoren im Duo, mal stehen sie als Solisten unter den Gästen. Im Musikprogramm etwa Stefan Bauer, der Leonard Cohen haucht und Isabell Glotz, die findet: „Rote Lippen sollst du küssen.“ Nora Schöpe singt stimmungsvoll hinter den Rosen auf dem Tisch und auch der Gastronomiechef ist angetan: „Wir haben sehr gerne Künstler zu Gast, das ist hier schon von Anfang an Tradition.“ Jetzt gehen sie gemeinsam in das verflixte siebte Jahr, da wird der nächste Abend möglicherweise noch etwas stürmischer und die Emotion wallt noch stärker auf, wenn lyrische Tapas serviert werden.

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