„Verursachergerechteres Wasserpreissystem“: Neuer Systempreis verteuert das kühle Nass

Schwerte. Wer den Verbrauch von Wasser reduziert, spart kein Geld. Die Stadtwerke Schwerte führen vom 1. Juli an einen so genannten Systempreis Wasser ein, der sich je Wohneinheit auf 24 Euro pro Jahr beläuft. Die gleichzeitige Reduktion des Grundpreises bei Zählern mit einer Durchlaufgröße bis sechs Kubikmeter in der Stunde um 12 Euro fängt die Kostensteigerung nicht auf.

In einem Brief an ihre Kunden schreiben die Stadtwerke von einer rückläufigen Wassernachfrage durch den demografischen Wandel und durch effektive Sparmaßnahmen, aber weiterhin steigenden Kosten für die Vorhaltung und den Betrieb des Wasserversorgungssystems und bezeichnen ihre neue Einnahmequelle als „verursachungsgerechteres Wasserpreissystem“. Für die steigenden Kosten bei der Wasserversorgung geben die Stadtwerke ein Beispiel: „… so werden wir beispielsweise rund 50 Prozent aller Wasserhausanschlüsse in Schwerte aufgrund von Materialermüdung in den nächsten Jahren erneuern müssen“. All diese Kosten müssten auf immer weniger Menge und Menschen verteilt werden, somit sei der Anstieg der Wasserpreise nicht zu vermeiden.

80 Prozent der Wasserversorgungskosten sind fix

„Die Kosten für die Wasserversorgung sind zu 80 Prozent fix – das heißt, sie lassen sich trotz geringerer Absatzmenge nicht reduzieren“, heißt es in dem Brief. „Bei unserer letzten Wasserpreisanpassung in 2011 wurden die Grundpreise angehoben, wovon gerade Nutzer mit geringer Verbrauchsmenge betroffen waren“. Größere Mehrfamilienhäuser oder Gewerbebetriebe, die das Wassernetz stärker belasten, hätten hingegen kaum etwas von der Preisanpassung mitbekommen. Mit dem Systempreis Wasser sollen nun die Fixkosten für das Wasserversorgungsnetz gerechter umgelegt werden.

Knapp 14 Tage haben die Kunden der Stadtwerke Schwerte in der Ferienzeit nun Zeit, einen Fragebogen auszufüllen und an die Stadtwerke zurückzusenden – wenigstens das Entgelt dafür zahlt der Empfänger. „Sofern wir keine Rückmeldung von Ihnen erhalten, werden wir zukünftig die Abrechnung aufgrund der von uns geschätzten Wohneinheiten bzw. bekannten Verbrauchsmengen durchführen“. Das klingt härter als es in Wirklichkeit ist. Denn er erst nach der Rückkehr aus seinem Urlaub das Schreiben der Stadtwerke liest, erfährt deshalb keinen Nachteil. „Das ist völlig unproblematisch“, versicherte Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Grüll auf Anfrage gegenüber dem Blickwinkel. Abgerechnet werde ja ohnehin erst zum Ende des Jahres. Und: „Wir wissen, dass Preisveränderungen nie gut aufgenommen werden. Wir vertrauen aber auf das Verständnis unserer Kunden, damit wir weiterhin dauerhaft eine hochwertige Trinkwasserversorgung in Schwerte sicherstellen können“.

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