Zu einer Feierstunde anlässlich des 65-jährige Bestehens des Oberschichtes hatte Oberschichtmeister Christopher Wartenberg (6. v.li.) am Montag geladen. Foto: Christel R. Radix
Von Christel R. Radix
Schwerte. „Man könnte sagen, das Oberschicht hat das Rentenalter erreicht“, richtete Oberschichtmeister Christopher Wartenberg die Worte an die zahlreich erschienenen Gäste im Ruhrtalmuseum – wegen des beginnenden Regens, kam es zum Umzug vom Norbert-Kaufhold-Weg -zum 65-jährigen Bestehen des Oberschichtes.
Der 10. August 1950, ein Donnerstag, ist der Tag, als die Geschichte des Oberschichts der Schwerter Nachbarschaften begann. In die Gaststätte „Nordstern“ hatte Norbert Kaufhold alle Schichtmeister, Schriftführer und Kassierer eingeladen. 20 Nachbarn aus elf Schichten beschlossen gemeinsam die Gründung eines Oberschichtes und wählten zum 1. Oberschichtmeister in der Stadtgeschichte Norbert Kaufhold. Seitdem haben acht Oberschichtmeisterinnen und Oberschichtmeister die Geschicke des Schwerter Oberschichts gelenkt.
Die Zusammenarbeit vieler engagierten Nachbarinnen und Nachbarn, hat zahlreiche Projekte wachsen lassen. „Beispielhaft möchte ich auf die Initiative „Schwerter Bürgergarten“, die sich dem Oberschicht angeschlossen hat, hinweisen, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Looksche Wiese am Bahnhof zu einem öffentlichen Garten zu gestalten“, so Christopher Wartenberg.
Auf Diethild Dudeck, die am 23. April 1991 zur Oberschichtmeisterin gewählt wurde, und Schwertes erste Ehrenoberschichtmeisterin ist, geht das Pannekaukenfest, die Rückkehr Schwertes in die Hanse, das Format „Schwerte putz(t) munter“ zurück. „Ich bin stolz und glücklich über unseren jungen Oberschichtmeister und die Nachbarschaften, die es so in anderen Städten nicht gibt“, sagte „die große Dame des Schwerter Schichtwesens“ während der Feierstunde. Diethild Dudeck hat auch dafür gesorgt, dass der Bürgermeister Heinrich Böckelühr eine Bürgermeisterkette erhielt: „Er ist der erste Bürgermeister aller Zeiten in Schwerte, der eine Bürgermeisterkette hat.“
Bürgermeister wies auf Ankunft der 150 Flüchtlinge hin
Das Stadtoberhaupt nutzte die Gelegenheit, um auf der um 15.30 Uhr anberaumten Feierstunde darauf hinzuweisen, „dass wir in eineinhalb Stunden 150 Menschen erwarten.“ Es sei auch ein Lackmustest für Schwerte. Und Böckelühr forderte in seiner Ansprache auf, „lasst die Menschen erst einmal ankommen.“ Die Situation zu diesem Zeitpunkt sei die, dass niemand wisse wie viele Kinder, Frauen oder Männer, Familien oder Alleinstehende unter den Flüchtlingen seien. „Es wird sich in den nächsten Tagen erweisen, ob wir in Schwerte nachbarschaftlich zusammenstehen“, so seine Worte. „Wie kriegen wir das miteinander hin? Die übergeordneten Behörden lassen uns völlig allein. Es ist eine große Herausforderung, die wir annehmen können und müssen“, so sein Appell.
Böckelühr vergaß natürlich nicht über diese Problematik, die Glückwünsche des Rates und der Stadt Schwerte zum 65-jährigen Bestehen des Oberschichtes zu überbringen. Und er versprach dem 30-jährigen Oberschichtmeister Christopfer Wartenberg „ich bin immer mit Rat und Tat an ihrer Seite“.
Bürgermeister Böckelühr, sein Stellvertreter Jürgen Paul, Oberschichtmeisterin a.D. Rosemarie Dick-Spieckermann, Oberschichtmeister Christopher Wartenberg und Ehrenoberschichtmeisterin Diedhild Dudek stießen mit den Gästen auf das 65-jährige Bestehen an. Foto: Christel R. Radix
Vorgestellt wurde die neue Schichtkarte, die das gesamte Schwerter Stadtgebiet, innerhalb seiner alten Grenzen vor der kommunalen Neuordnung 1975, also ohne die Stadtteile Westhofen, Villigst und Ergste, flächendeckend in Schichtgebiete einteilt. Des Weiteren gibt es eine neue überarbeitete Broschüre über das Schichtwesen. Neben klassischen Texten von Norbert Kaufhold, Karl Ewald u.a. über das Schwerter Schichtwesen und die Stadt Schwerte selbst findet sich hier eine Zeitreise durch die Stadtgeschichte, Informationen über den Begriff „Schicht“, Ziele und Zwecke der Schichte und des Oberschichts, Projekte, regelmäßige Veranstaltungen oder Stadtführungen. Die Broschüre ist kostenlos und liegt u.a. im Ruhrtalmuseum aus.


