Christa Obens geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Von Ingo Rous
Ergste. Von oben herab? Nein, so ist Christa Obens nie gewesen. Sie ist eine Teamplayerin, hat ihre Mannschaft immer mitgenommen, wenn es um ihre Schule an der Ruhr ging. Sie war zwar Leiterin der Förderschule am Derkmannsstück, war als solche aber prima inter pares, die Erste unter Gleichen. „Das Team ist mitdenkend und sehr engagiert“, lobt sie, schätzt die Verlässlichkeit. Niemand aus dem Kollegium habe jemals auf die Uhr geguckt. Das erschwert ihr ihren Abschied. So wie das dem Kollegium ihren Abschied erschwert.
Aus der Vergangenheit in die Zukunft
Die Vergangenheit hat heute begonnen, als nach dem Erste-Hilfe-Kurs für die Lehrkräfte die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen ist – quasi als Startsignal für die Zukunft. Jetzt ist Christa Obens Leiterin einer Förderschule gewesen, die über die Grenzen der Stadt hinaus einen guten Ruf genossen hat. Ab Dienstag ist die Sonderpädagogin Mitglied in der Schulaufsicht für die Stadt Münster. Ihren Job in Ergste wird Peter Zarnitz aus Lünen kommissarisch übernehmen. Bis zum Ende des Schuljahres. Dann ist auch die Schule an der Ruhr Geschichte. Sie wird geschlossen. Und die Förderschullandschaft im Kreis Unna wird ein ganz anderes Gesicht erhalten.
Der Förderschule Konturen verliehen
Als Christa Obens von der Schließung erfuhr, „musste ich doch erst einmal schlucken“, sagt sie. Immerhin zehn Jahre lang hat sie der Förderschule an der Ruhr Konturen gegeben, hat Schülerinnen und Schülern an der Entwicklung der Schule partizipieren lassen, hat jahrgangsübergreifend für Optimierungen gesorgt. In ihrer Ägide hat es Spiel- und Sportfeste gegeben. Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung waren die Förderschwerpunkte. „Die Schule ist ein Haus des Lernens geworden“, sagt sie. Der Erziehungsauftrag habe immer an erster Stelle gestanden. Ziele waren stets klar formuliert. Dazu gehört auch die Rückschulung der Kinder in die allgemeine Schule. Oder das Erreichen einer möglichst hohen Teilhabe an der Gesellschaft. „Hier steckt viel Herzblut drin“, sagt Christa Obens über ihre Schule.
Vorfreude auf die neue Aufgabe
Deshalb geht sie ja auch mit einem weinenden Auge. Aber sie freut sich auch auf ihre neue Aufgabe in Münster. Ohnehin hatte sich Christa Obens hier und da schon mal mit dem Gedanken an eine berufliche Veränderung, an eine neue Herausforderung beschäftigt. „Mit der Bekanntgabe der Schulschließung ist dieser Gedanke in den Fokus gerückt“, sagt sie. Als sie dann von der Vakanz einer Stelle in der Schulaufsicht im Regierungsbezirk Münster erfuhr, bewarb sie sich. Sie meisterte die notwendigen Prüfungen – und absolviert am Dienstag ihren ersten Arbeitstag in Münster. „Auf den Zeitpunkt des Dienstbeginns hatte ich keinen direkten Einfluss“, unterstreicht Christa Obens, dass sie auch gerne noch bis zur Schulschließung in Ergste geblieben wäre.
Geisecke bleibt der Wohnort
Auf jeden Fall aber bleibt sie der Ruhrstadt erhalten. Sie lebt mit ihrem Mann in Geisecke – schon seit 23 Jahren. „Das ist mein Stück Heimat geworden“, sagt die gebürtige Dortmunderin sagt sie mit Blick auf gewachsene Strukturen in ihrem Freundeskreis. Die 51-Jährige ist bekennende Anhängerin von Borussia Dortmund, „seit meinem 13. Lebensjahr. Und seit 1995 habe ich eine Dauerkarte“. Klar, dass sie auch unter diesen Umständen lieber in Schwerte wohnen bleibt. Das ist ihre Zukunft. Ergste ist Vergangenheit. Spätestens, wenn heute Nachmittag die Tür ins Schloss fällt.


