Kennen sich von Berufs wegen: Dr. Uwe Trespenberg vom Vorstand der Sparkasse Schwerte und Gastautor Dr. Hinrich Schroeder-Hohenwart (v.l.). Foto: Nadine Przystow
Von Nadine Przystow
Schwerte. „Wir wollen heute mal etwas Neues, Intimeres probieren“, begrüßte Uwe Trespenberg, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwerte, am Donnerstagabend etwa 15 Gäste zu einer Autorenlesung, die die Bank in Kooperation mit der Stadtbücherei veranstaltete. Mit flauschigem, rotem Teppich, Stühlen und Sesseln verwandelte sich ein Teil der großzügigen Kundenhalle in eine gemütliche Wohnzimmer-Ecke. Thematisch spielte das Bankgeschäft aber weiterhin eine wichtige Rolle. Denn die Geschichten von Dr. Hinrich Schroeder-Hohenwarth erzählen von Geld, Gier und Griechenland – von Letzterem allerdings nur als Reiseziel.
Der gelernte Jurist war selbst Personalchef einer Kölner Großbank, wo er auf Uwe Trespenberg traf. Anschließend fungierte er als Vorstandsmitglied einer großen Versicherungsholding und als Verwaltungsdirektor der Berliner Charité. Da war eigentlich kaum Zeit, um Bücher zu schreiben. Doch der 71-Jährige nutzte immer wieder kleine Atempausen und hat mittlerweile neben zahlreichen Fachveröffentlichungen auch drei Unterhaltungsbücher publiziert, aus denen er jeweils eine kleine Kostprobe las.
Gewalt, Kriminalität und Macht
„Maul vernimmt“ und „Momente am Ufer“ sind Sammlungen verschiedener Kurzgeschichten. Ersteres spielt ausschließlich in Frankfurt, sodass die Finanzmetropole Schauplatz von Gewalt, Kriminalität und Macht wird. So entwickelt sich zum Beispiel ein brutales Match zwischen zwei Tennisgrößen zu einem Konflikt zwischen Ost und West, der auch außerhalb des Platzes weitergeführt wird und letztlich dem alles verschlingenden Kapitalismus zum Opfer fällt. Die „Momente am Ufer“ beschreiben indes die Erlebnisse und Erkenntnisse eines reisenden Ich-Erzählers in fremden Ländern. Zwar sind die Stoffe frei erfunden, doch ranken sie sich um die persönlichen Erinnerungen des Autors an unvergessene Urlaube.
„Tag Traum Tod“, das ist zugleich Titel und Inhalt seines ältesten Werkes. Anders als im üblichen Krimi ermittelt hier kein verschrobener, stoischer Kommissar mit grauem Stoppelbart, sondern ein 17-jähriges Mädchen, das wiederum ganz eigene Probleme mit dem Leben hat. Vera besucht ihren Vater Jaco in Frankfurt, doch der ehrgeizige Banker hat keine Zeit für sie – ein wichtiges Projekt beansprucht ihn gleich nach ihrer Ankunft. Als sie eines Abends zu Jacos Wohnung geht, in der sie für die Zeit ihres Besuchs wohnt, findet sie vor der Haustür den Studenten Daniel aus der benachbarten Dachstube. Er ist tot.
Verloren in der Welt des Kapitalismus
Gemeinsam mit Mo, der Praktikantin aus der Bank, Streetworker Lurik und Erich, der ihr sehr zugeneigte Assistent ihres Vaters, sucht sie nach Antworten. Nicht immer steht dabei das mutmaßliche Mordopfer im Vordergrund. Vera fühlt sich zunehmend allein gelassen, ihr arbeitssüchtiger Vater kommt ihr vor wie „eine Art metallische Prothese“. Sie zieht sich zurück, verliert sich im Traum, vor allem aber ist sie in dieser eleganten und von Geld regierten Welt verloren.
Hinrich Schroeder-Hohenwarth konzentriert sich beim Schreiben ganz und gar auf seine Charaktere. Während er sich mit ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung zurückhält, erleichtern es die ausführlich geschilderten Handlungsabläufe dem Leser, sich das Geschehen szenisch vorzustellen. Herzstück des Buches sind aber die intimen Gedanken der jungen Protagonistin, die durch den Einbezug aller Sinne eine hohe Intensität des Miterlebens erzeugen: „Jetzt verblassten die Worte im Kopf, Worte, deren Sinn sie erfand, die nur nutzte, um in ihnen zu schaukeln, immer neue zu erhangeln und Sätze wie Bäume zu wechseln, Silben wie Blüten, Klang wie bunten Luftzug in den Ohren. Traumschaukel.“
Der Roman erschien erst 2012, bereits 1990 hatte Schroeder-Hohenwarth aber schon mit ihm begonnen. Seine Tochter war damals 17 Jahre alt und in gewisser Hinsicht die Motivation für diese Geschichte. Auch die autobiografischen Züge, die ihn mit dem Arbeitstier Jaco verbinden, seien durchaus beabsichtigt. Denn am Ende des Buches steht vielmehr eine Lehre als ein Ergebnis: „Wir müssen unsere Kinder dort abholen, wo sie sind“, so der Autor.


