Interview

Politische Satire? Satirische Politik? Was macht die PARTEI in Schwerte?

“Wirr ist das Volk” steht auf der Bierdose. Jonas Pieper, Annkristin Stawowy und Pascal Höhnel präsentieren sich am Brunnen vor dem Rathaus-Tore.

Schwerte. Die politische Landschaft in Schwerte ist um eine Partei reicher. Um die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (kurz Die PARTEI). Redakteure des Satiremagazins “Titanic” gründeten 2004 diese “Kleinpartei mit parodistischem Charakter”, wie es bei Wikipedia heißt. Seit 2005 nimmt die PARTEI an Europa-, Bundestags-, Landtags-, Kommunal- und Bürgermeisterwahlen teil und will nun auch in Schwerte antreten. Am Freitag um 17 Uhr wird die erste Mitgliedervollversammlung des Schwerter Ortsvereins stattfinden (Kulturzentrum Rattenloch, Eintrachtstraße 10). Interessierte Menschen können daran teilnehmen. Auch der Blickwinkel ist neugierig und hat mal im Bundesprogramm gestöbert, wo sich die PARTEI klar zur Faulenquote bekennt, die Sommerzeit abschaffen will, die Schuldiskussion mit der Einführung des Notabiturs bereichern möchte und wo sich die PARTEI zum Fracking bekennt (von Sigmar Gabriel und Peter Altmaier). Daraus sind Fragen entstanden, die Jonas Pieper, Pascal Höhnel und Annkristin Stawowy beantwortet haben. Zum Hintergrund: Wikipedia bezeichnet die PARTEI als eine, die zwar alle juristischen Anforderungen an das Parteiengesetz erfüllt, ihre Ernsthaftigkeit aber gelegentlich in Frage gestellt wird.

Lässt sich denn mit Satire Politik machen? Oder benutzt die Partei die Satire nur als Mittel zum Zweck? Will sie ernst genommen werden oder wachrütteln oder was?

“Dass Satirepolitik funktionieren kann, sieht man an unserer amtierenden Regierung. Jedoch verstehen wir uns nicht als Satirepartei, sondern gegenüber den anderen als einzig seriöse PARTEI. Rechts und Links der PARTEI darf es jedoch keine anderen Parteien geben. Wir bilden die radikale Mitte.”

Besteht dann nicht die große Gefahr, dass die Menschen draußen die Inhalte der Partei nicht verstehen? Hat die Partei überhaupt Inhalte?

“Nein.”

Hat die Partei keine Bedenken, dass programmistische Aussagen und Forderungen nach der Moderation von Kinderpornos durch Markus Lanz, nach einem Schauprozess für Angela Merkel, nach dem Bau von Mauern oder durch Begriffe wie Machtübernahme eher negative Haltungen hervorrufen könnten?

“Nein.”

Müssen künftig alle dicken Menschen befürchten, gefrackt zu werden? Oder gilt das nur für Sigmar Gabriel und Peter Altmaier?

“Gemäß unserer aktuellen finanziellen Situation würden wir uns zunächst auf Sigmar Gabriel und Peter Altmaier beschränken, jedoch kann man das Projekt ausweiten, wobei die gewonnene Energie nach unseren Berechnungen für mindestens eine Legislaturperiode (ca. 25 Jahre) ausreichen sollte.”

Kann nur der das Parteiprogramm (wenn es denn eines ist) verstehen, der das Absurde ad absurdum führt?

“Das ist uns zu philosophisch. Tendenziell nein.”

Was hat das Auftreten der Partei für Auswirkungen auf die politische Landschaft in Schwerte? Was bedeutet der Satz: Wir haben es uns als Ziel gesetzt, die Schwerter Politiklandschaft zu revolutionieren, was gemessen an unserem seit 16 Jahren amtierenden Bürgermeister kein Problem darstellen sollte.

“Dank uns gibt es überhaupt erst eine ansehnliche Politiklandschaft in Schwerte. Die jetzige ist mindestens so unschön wie das Sauerland. Was uns zu dem Fakt bringt, dass die FDP ihren Sitz in Ergste hat, welches nach unseren Forderungen abgespalten werden soll, wodurch Platz für uns wird.”

Nehmen wir an, Pascal Höhnel erhält in der nächsten Bürgermeisterwahl die Mehrheit der Stimmen. Was würde sich verändern in Schwerte?

“Das ist unwahrscheinlich. Unser Oberbürgermeisterkandidat ist Chris Eickelmann. Sollte dieser Bürgermeister werden, wird sofort mit dem Bau der U-Bahn begonnen. Danach wird Schwerte vom Kreis Unna abgespalten und tritt in Zukunft als eigene Kreisstadt auf. Ergste wird von Schwerte abgespalten und fortan unabhängig Mitglied des Kreises Schwerte unter dem Namen „Amt Ergste“. Da unsere aktuelle finanzielle Lage zu Großteilen den hohen Kreisabgaben geschuldet ist, würde dies uns auch vor dem Ruin retten. Des Weiteren brauchen wir als Hansestadt selbstverständlich auch einen Anschluss ans Meer. Da St. Viktor in dieser Zeit die Rolle des Leuchtturms übernehmen wird, können wir ihn auch gleich noch grade Biegen. Ziel erreicht.”

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