Gerätschaften wie diese sollen Frauen sicherer machen.
Von Andrea Reinecke
Schwerte. Nach den Sylvesterereignissen in Köln werden Tränengas und Kleinkaliberwaffen nachgefragt, Verteidigungskurse boomen. Für Petra Landwehr eine Entwicklung mit Haken: „Wenn Mütter ihre Töchter mit „Hümmelken“, den kleinen westfälischen Schälmessern, in die Schule schicken ist das mehr als bedenklich“. Die Aufklärerin vom Kriminalkommissariat für Prävention war am Montagabend gemeinsam mit der Schwerter Gleichstellungsbeauftragten Birgit Wippermann Gastgeberin einer Aufklärungsveranstaltung in der Stadtbücherei. Männer waren übrigens nicht willkommen; sie wurden nach Hause geschickt. Der Blickwinkel hat sich am Vormittag mit Birgit Wippermann unterhalten und veröffentlicht im Laufe des Nachmittags ein Videointerview zum Thema. Das finden Sie hier.
Petra Landwehr weiß, wo die Gefahren liegen: „Alles was aktiven Angriff bedeutet kann im Zweifel auch vom Gegner entwendet werden und gegen sie verwendet werden.“ Überhaupt lassen sich nach ihrer Auskunft dem subjektiven Unwohlsein und gestiegener Sicherheitssehnsucht keine realen Zahlen entgegenhalten. „Wir haben momentan keine Anstiege von Gewalttaten gegen Frauen. Zahlen werden gerade abgefragt und momentan haben wir nichts, was dieses Thema belegt und zum Handeln zwingt.“ Das kümmert die anwesenden Mütter, Frauen, Großmütter wenig: Kann ich allein in den Ruhrwiesen joggen? Wie schütze ich mein Kind? Was wenn ich allein auf dem Bahnsteig stehe? Petra Landwehr setzt auf schlichte Tricks die aus der passiven Opferrolle heben und stark machen. Körpersprache, Lautstärke und manchmal auch Flucht. „Wir Frauen haben ein ausgeprägtes Bauchgefühl und dem sollten wir tatsächlich immer vertrauen.“ Kratzen, Beißen, Spucken, Treten – die unfeine weibliche Art der Gegenwehr ist aktuell wie nie. „Benehmen sie sich daneben!“
„Benehmen Sie sich daneben“
Landwehr zeigt absurde Schauspielaktionen und erzählt aus dem Polizeialltag. Frauen, die gackernd wie ein Huhn einen Täter vertrieben. Omas, die schlagkräftig den Schirm benutzen. Den Frauen in der Schwerter Stadtbibliothek reicht das nicht immer. Immer wieder werden kulturelle Unterschiede und die Missverständnisse in der Körpersprache thematisiert. Freundliches Grüßen heißt nicht Freiwild zu sein. Alle anwesenden Frauen wollen auf keinen Fall demütig sein, den Blick senken und verschreckt durch ihren Alltag gehen, haben aber zur Zeit öfter jenes unwohle Bauchgefühl und sehen an dieser Stelle großen Handlungsbedarf beim Thema Integration. Gesellschaftliche Themen, die in den Alltag strahlen und Frauen sichtlich beunruhigen. Die Polizei setzt auf statistische Erhebungen, praktische Tipps und Aufklärung. Petra Landwehr stellt ein Handalarmgerät vor, berichtet von Stinkkapseln und plädiert für die Trillerpfeife aus dem Sportgeschäft: „Die sind schön nervig, laut und hell.“ Also genau so, wie die Frauen sich für 2016 aufstellen sollen.
Die praktischen Tipps und Geräte
- Handalarmgeräte sind im Internet zu bekommen. 150 Dezibel sollten sie liefern. Ein kleiner Klemmschalter lässt sie auch in Türen verbauen.
- Rapel sind kleine Kapseln mit schwer stinkender Flüssigkeit. Im Notfall zerschlagen und den Täter durch Gestank vertreiben. (Ein Deo wird mitgliefert) Momentan vergriffen, Bestellungen laufen.
- Trillerpfeife schaffen Aufmerksamkeit und stellen Öffentlichkeit her
- Schlüssel können Waffen sein
Informationen zu Schulungen
petra.landwehr@polizei.nrw.deInformationen Selbstbehauptungskurse
gleichstellung@stadt-schwerte.de


