Schwerte. Selbst aus einem eher mittelmäßigen Krimi mit einem recht dünnen Handlungsstrang wird ein ganz anderes Erlebnis, wenn man ihn sich von seiner Autorin vorlesen lässt. Die Charaktere im Buch werden lebendig, viel lebendiger, als wenn man Zeile für Zeile still vor sich hinlesen würde, um dabei auf einer schleimigen Spur von, dem Thema „SEX and Crime“ geschuldeten Doppeldeutigkeiten, auszurutschen. Sandra Lüpkes hat diesen Spagat am Sonntagabend geschafft. Mit ihr und ihrer Geschichte „The Sexy-Schwerte-Heimatshow“ ist auch der „Mord am Hellweg“ in Schwerte angekommen. Europas größtes Krimifestival wird sich noch ganz schön breit machen in den heiligen Hallen der Rohrmeisterei.
Viele Fertigkeiten außer Schreiben
Sandra Lüpkes kann lesen. Und nicht nur das. „Sie hat viele Fertigkeiten außer Schreiben“, sagte Wolfram Kuschke, Vorstandsvorsitzender im Westfälischen Literaturbüro und Kuratoriumsmitglied der Bürgerstiftung Rohrmeisterei bei der Begrüßung. Ja, hat sie! Sandra Lüpkes hat eine wunderschöne Stimme. Sie gibt sich natürlich, zeigt, dass sie eine von jenen (leider nur wenigen) Menschen ist, knapp 50 an der Zahl, die vor ihr auf den Stühlen in der Halle 2 der Rohrmeisterei Platz genommen hatten. Sie liest pointiert und fesselt damit. Sie untermalt ihre Geschichten mit Geräuschen aus der Technikkiste, sie singt, sie spielt Flügelhorn, sie bezieht ihr Zuhörer ein beim Lied vom Kuckuck, aus dem sie ein Lied vom Spanner machte und die Menschen „simsaladimbam basaladusaladim“ mitsingen ließ. Sandra Lüpkes ist auch freundlich. Schwerte habe ihr gut gefallen. „Die Leute hier haben Ideale, und die setzen sie um“, sagte sie und dankte besonders Uwe Fuhrmann, dem Vorsitzenden des Heimatvereins und dem Macher des Heimatabends, für die Unterstützung bei der Recherche zum Schwerte-Krimi.
Der lebensrettende Griff an die Brust
Und Sandra Lüpkes lebt ihre Geschichte von den beiden in Schwerte gestrandeten Radtouristen aus dem Sauerland, von denen die eine (Janett) in die Sexy-Schwerte-Heimatshow gerät und der andere (Bernd) an einen eifersüchtigen, fast mordenden Edgar, bis schließlich Janetts eigentlich missratener goldener Armbrustschuss dem würgenden Edgar den Bolzen in den Rücken jagt und Bernd damit wieder zu Atemluft kommt. Und eigentlich ist ja Janett ja gar nicht die Retterin ihres Verlobten, sondern der Heimatabend-Moderator im goldenen Anzug – nennen wir einfach mal Uwe -, der beim Spannen der Armbrust die Brüste von Janett berührt und die deshalb die Contenance verlierend den Schuss verreißt. Na Gott sei Dank! Aber habe ich gerade Heimatabend geschrieben? Wie komme ich nur darauf? Es ist natürlich die Sexy-Schwerte-Heimatshow.
Wer einmal die ganze Geschichte lesen möchte und die Geschichten aus den anderen „Mord-am-Hellweg-Städten“ dazu, kann sich mit der Anthologie eindecken, die es in Buchhandlungen gibt. Eva Stapper, Chefin der Ruhrtalbuchhandlung, hatte schon während der Lesung am Sonntag ein ganzes Sortiment an Krimis ausgebreitet, darunter auch die Anthologie.
Was sonst noch passiert beim Mord am Hellweg in Schwerte?
17. Oktober, 19.30 Uhr: Lesung Sebastian Fitzek, „Noah“ und „Passagier 23“; ausverkauft.
3. November, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr): Lea Linster und Tom Hillenbrand, „Mords Lecker!“, 129 Euro, nur Vorverkauf (Reservierung) über die Rohrmeisterei (02304/2013001, www.rohrmeisterei-schwerte.de).
5. November, 19.30 Uhr: Lesung Don Winslow, „Missing New York“; VVK 18.90 / 15,90€, AK 22 / 19€; Karten: Ruhrtalbuchhandlung (02304/18040), Rohrmeisterei (02304/2013001, www.rohrmeisterei-schwerte.de).
15. November, 19.30 Uhr: Anschlussgala mit Jo Nesbo, deutsche Stimme Oliver Mommsen; VVK 25,90 / 22,90€, AK 31 / 28€; Karten: Ruhrtalbuchhandlung (02304/18040), Rohrmeisterei (02304/2013001, www.rohrmeisterei-schwerte.de).

