Portrait

Ulrike Kuhn-Schepp: Abschied als Sprecherin der AG Schwerter Frauengruppen

Schwerte. Der Albatros ist ein großer Seevogel. Er gehört zu den schwersten flugfähigen Vögeln und kann eine Flügelspannweite von über 3,50m haben. In Schwerte gibt es sie nicht, dafür aber mindestens eine Bewunderin: Ulrike Kuhn-Schepp. Auf Albatros wird sie im nächsten Jahr gemeinsam mit ihrem Mann über die Ostsee segeln. So heißt die 11,20m lange, hochseetaugliche Segelyacht, diesich die beiden angeschafft haben, um sich einen Traum zu erfüllen. Ober besser: So heißt es übersetzt. Am Bug steht „AHODORI NI“. Das ist japanisch und bedeutet Albatros zwei.

Mit einer Träne im Auge

Dienstag war ein besonderer Tag für Ulrike Kuhn-Schepp. Bis dahin war sie noch Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen. Doch dieses Amt hat sie, von langer Hand vorbereitet, auf einer turnusmäßigen Versammlung der Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung stellen. Ihr großer Traum benötigt Zeit zur Vorbereitung, und weil die 57-Jährige halbe Sachen gar nicht schätzt, wird sie ihre Aufgaben vertrauensvoll in andere Hände legen – mit einer Träne im Auge, wie sie versichert. 13 Jahre hat sie der Arbeitsgemeinschaft als Sprecherin zur Verfügung gestanden – eine Zeit, die prägt, eine Zeit, in der Freundschaften entstanden sind. Zu den Frauen, besonders zu Anke Skupin und zu Birgit Wippermann, ehemalige bzw. aktuelle Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schwerte, die zur Arbeitsgemeinschaft gehören und sozusagen die Geschäfte führen. „Es war eine wunderbare, kooperative, inhaltliche Zusammenarbeit mit den beiden, immer auf der gleichen Ebene hauptamtlich und ehrenamtlich. Sie wissen es beide, aber ihnen gilt mein besonderer Dank für die tolle Zeit“, sagt sie. Also waren die 13 Jahre keine One-Woman-Show? „Niemals!“, unterstreicht Ulrike Kuhn-Schepp und weiß die Unterstützung auch aus dem großen Kreis ehrenamtlich tätiger Frauen zu schätzen.

Ein eingespieltes Team

Die gelernte Landschaftsarchitektin wurde am 26. März 1957 in Bochum geboren. Aha, der VfL? Sie schüttelt den Kopf und gibt zu, zum Fußball keine Verbindung gefunden zu haben. Wohl aber zum Herbert Grönemeyer, dem Liedermacher, der aus Bochum kommt. In Bochum hat sie zunächst eine Lehre zur Industriekauffrau absolviert. Nach dem Fachabitur hat sie in Essen vier Semester Mathematik studiert, wollte es dann aber etwa lebendiger haben und sattelte um auf Landschaftsarchitektur. In diesem Bereich hat sie freiberuflich gearbeitet. Ihr Diplom hat Ulrike Kuhn-Schepp zum Thema japanische Gartenkunst erworben. Ihren Mann hat sie schon 1972 kennengelernt. 1979haben die beiden geheiratet und 1986 einen Sohn zur Welt gebracht. Die beiden sind ein eingespieltes Team – nicht nur auf dem Schiff.

Viele ehrenamtliche Aktionen

Vor 23 Jahren sind die beiden nach Schwerte gekommen, weil ihr Mann näher an seinem Arbeitsplatz in Dortmund wohnen wollte. Ulrike Kuhn-Schepp hat sich umgesehen in ihrer neuen Stadt, wollte sich engagieren und fand 1992 ihren Weg zur AG Frauen und Stadtplanung. Dort war sie zunächst Teilnehmerin, später die Leiterin dieser Gruppe. „Ziel war es, den weiblichen Blick auf städteplanerische Belange und Maßnahmen gleichberechtigt einzubeziehen“, erklärt sie – ein Ziel, dass sie bis heute in keinem ihrer Projekte aus den Augen verloren hat. In dieser Zeit gab esviele ehrenamtliche Aktionen und Beteiligungen einschließlich der Dokumentation 1996 „Frauen und ihre Stadt – Eine Arbeitsmappe“. 1997 fand Ulrike Kuhn-Schepp zur 1989 gegründeten AG Schwerter Frauengruppen und wurde dort 2001 offizielle Sprecherin. Gern erinnert sie sich noch an „unser letztes sehr großes Projekt, die Dokumentation zum Ehrenamt Schwerter Frauen“.

2010 gab es die Stadtmedaille

Aber sie hat noch mehr geleistet. 1998 wurde Ulrike Kuhn-Schepp Teilnehmerin des Stadtmarketingprozesses, war ab 2000 Teilnehmerin des Stadtmarketingarbeitskreises Wasser in die Stadt, ab 2002 dessen Sprecherin. Von 2005 bis 2009 arbeitete sie im Vorstand des Stadtmarketing. 2006 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises der Stadtbücherei. Im selben Jahr war sie Gründungsmitglied des Lokalen Bündnisses für Familie Schwerte und gehörte dem Koordinatorenteam an. 2007 arbeitete sie im AK Mühlenstrang mit. 2010 wurde ihr für ihre Verdienste im Ehrenamt die Stadtmedaille verliehen.

Ein Törn zur Entschleunigung

Jetzt beendet sie (vorerst?) ihr ehrenamtliches Engagement. Sie weiß genau, dass „ich viel mitnehmen kann aus dieser Zeit. Ich habe in super tollen Teams gearbeitet. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber wir haben für alles eine Lösung gefunden“, sagt sie. Aber sie freut sich jetzt auch auf die Auszeit 2015. „Entschleunigen“ nennt sie das, was sie und ihr Mann ein halbes Jahr lang auf der Ostsee machen werden. Raus aus dem Stress des Alltags, hinein in ein Abenteuer, in eine Zeit der Besinnung und des gemeinschaftlichen Erlebens. „Ich habe das Meer immer als schön empfunden, Wasser ist mein Element“, sagt Ulrike Kuhn-Schepp. Die Idee zu diesem Törn sei gereift, als sie zum 50. Geburtstag ein kleines Segelboot geschenkt bekam. „Da habe ich sozusagen Blut geleckt“. Tja, und jetzt geht es im April oder Mai nächsten Jahres auf den großen Törn, vorbei an allen Anrainerstaaten der Ostsee. Damit möglichst viele Menschen in Schwerte und Umgebung erfahren können, wie es denn so läuft auf der „AHODORI NI“, wird Ulrike Kuhn-Schepp einen Internetblog einrichten. Einen Titel dafür hat sie schon: „way of the albatross“. Das sind ihre Lieblingsvögel. Aber das wissen Sie ja bereits.

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