Die Videokünstlerin Lucia Seungyoun Lee bei der Arbeit.
Von Nadine Przystow
Schwerte. Was sind meine Idole und wie sehe ich mich eigentlich selbst? Diese Fragen beantworteten rund 30 Schülerinnen und Schüler des Dortmunder Mallinckrodt-Gymnasiums am Mittwoch im Rahmen eines kreativen Workshops an der Katholischen Akademie Schwerte. Das Besondere: Der Workshop ist Teil eines Projektes der Videokünstlerin Lucia Seungyoun Lee aus Berlin zum Thema „Rolle und Identität“ und wird eventuell in die abschließende Ausstellung, die dann ab dem 8. August zu sehen ist, miteinfließen.
Denn die gebürtige Südkoreanerin ist Preisträgerin des Artist in Residence-Stipendiums, das die Katholische Akademie in diesem Jahr erstmals zur Unterstützung von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern vergeben hat. „Sie hat sich mit einem sehr überzeugenden Konzept gegen die restlichen Bewerber durchgesetzt“, freut sich Stefanie Lieb, Studienleiterin für den Fachbereich Kunst und Kultur.
Mit Identität auseinandersetzen
Lee bat die Neuntklässler darum, sich auf verschiedene Weisen mit ihren eigenen Identitäten und ihren Idolen auseinanderzusetzen. Nach der Arbeitsphase, in der Schauspiele geprobt, Handyvideos gedreht und sogar ein Rap geschrieben wurden, sollten sich die Jugendlichen ihre Ergebnisse gegenseitig vorstellen. Die junge Künstlerin hielt alles mit ihrer Kamera fest und wird das Bildmaterial dann mit Blick auf die Ausstellung auswerten.
Auf der Collage von Celina und ihren Freundinnen waren unter der Überschrift „Future“ Bilder von einer Familie, einem schönen Haus und einem sportlichen Flitzer zu finden. Eine Uhr als Symbol für Zeit und David Beckham als Traummann wurden auch noch aufgeklebt. Ein Leben wie das der Stars und Sternchen wollen sie allerdings nicht führen: „Man findet zwar bestimmte Sachen gut, aber man will jetzt nicht komplett so sein“, hat Celina für sich erkannt. Die 15-jährige Viktoria sieht das ähnlich: Sie ist zwar großer Fan des BVB, aber deshalb plant sie noch lange keine Fußballkarriere. Ihre Mutter ist für sie dagegen ein großes Vorbild.
Workshops in Korea und Berlin
Während den Jungen und Mädchen die Suche nach prägenden Persönlichkeiten recht leicht fiel, taten sie sich schwer damit, ihre eigenen Stärken zu beschreiben. Auch Lehrerin Maria Dickmann beobachtet im Schulalltag, dass sich die Jugendlichen zunehmend über Idole oder bestimmte Kleidung inszenieren. Lucia Sy Lee fragt mit ihrer Arbeit, warum das so ist und findet im besten Fall eine Antwort darauf. Die 36-Jährige möchte ergründen, woher dieses Gefühl der Bewunderung überhaupt kommt und ein bisschen auch den Scheincharakter der Medienwelt entlarven. Dazu hat sie bereits Workshops in Korea und Berlin veranstaltet.
Was letztlich von den Aufnahmen aus Schwerte in der finalen Videoinstallation zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall plant Lee aber, das Ergebnis auf Kirchenfenster zu projizieren. Durch die unterschiedlichen Elemente werden die Bilder farbig zurückgeworfen – so wie auch die Idole erst durch den Medienkanal facettenreich reproduziert werden.
Lucia Sy Lee studierte in Seoul zunächst bildende Kunst. Erst, als sie 2003 nach Deutschland kam, wollte sie etwas anderes machen und nahm zwei Jahre später das Studium der Medienkunst in Berlin auf. Die Arbeit mit Videoinstallationen mache es ihr möglich, geistige Vorstellungen räumlich wiederzugeben und zu erfahren. Daher ist es für sie eine „super Gelegenheit“ in Schwerte daran nun von Mai bis Juli arbeiten zu können – so lange stellt ihr die Akademie nämlich die entsprechenden Räumlichkeiten zum Wohnen und Wirken zur Verfügung. Hier darf sie dann auch ihr Projekt ab dem 8. August bis Ende September in einer eigenen Ausstellung präsentieren.


